Wussten Sie, dass zwischen zwei Generationen ganze Welten liegen – selbst wenn sie dasselbe Buch lesen? Ich dachte, ich gehe auf ein entspanntes Wochenende, um in Ruhe einen Bestseller zu diskutieren. Was ich stattdessen fand, war ein Schockmoment, der mein Bild vom bewussten Leben komplett auf den Kopf stellte. Wenn Sie glauben, Sie genießen das Leben richtig, sollten Sie sofort weiterlesen.
Der falsche Grund für die Buchung
Mit Anfang 30 bin ich aus dem ersten Buchclub geflohen. Zu viel Druck, zu wenig Zeit zwischen Job und Familie – Lesen sollte Freude bringen, nicht eine weitere Deadline sein. Heute, in meinen Sechzigern, ist die Zeit da, aber die Sehnsucht nach echter Verbindung ist größer als je zuvor. Deshalb buchte ich das „All Booked“-Retreat in den Catskills – luxuriöse Hütte, Wald, kein Stress.
Die Falle des Trendbuchs
Klar, wir bekamen Arundhati Roys Memoir „Mother Mary Come to Me“. Und ja, es gab Gespräche darüber – komplizierte Mütter, schwierige Beziehungen. Das war interessant, aber nicht der eigentliche Knall.
Der eigentliche Zündstoff lag in der Mischung der Teilnehmerinnen: Acht Frauen, von Anfang Zwanzig bis Ende Sechzig. Wir hatten Yogamatten und Kiefernholz, aber unterschiedliche Realitäten.

Das Aufeinandertreffen von Ringlicht und Waldtherapie
Am zweiten Morgen erkannte ich das Grundproblem unserer Ära. In der Gruppe waren zwei „Bookstagrammerinnen“ – sie filmten jeden Scone, jede Meditation. Sie hatten dieses riesige Equipment dabei, um ihr Erlebnis sofort teilbar zu machen.
- Die Frage brannte in der Luft: Lieber den Moment echtes Leben (Waldspaziergang!) erleben oder ihn für Likes und Follower töten?
- Ich selbst bin Team Naturgenuss, aber selbst ich ertappte mich dabei, wie ich kurz überlegte, wie ich diesen perfekten Sonnenstrahl auf den Granola-Berg hätte inszenieren können.
Interessant: Wir stehen alle am selben Ort, aber wir konsumieren ihn völlig unterschiedlich.
Der generationenübergreifende Streit über Familie
Die Diskussion über Roys turbulente Mutterbeziehung brachte die Kluft am deutlichsten ans Licht. Die Frage lautete: Soll man toxische Eltern kontaktlos machen?
Die 20-Jährigen waren schnell: Klare Kante, Kontaktabbruch ist Selbstschutz. Wir älteren Teilnehmerinnen sahen das differenzierter. Wir sind eben in einer Zeit aufgewachsen, in der „Familie“ meistens ein unantastbarer Vertrag ist – Fehler hin oder her.
Dieser intensive Austausch, der nichts mit der Buchrezension zu tun hatte, war pures Coaching. Es ging um die Wunden, die wir alle in uns tragen, egal ob wir sie auf Instagram posten oder unter den Teppich kehren.
Der Wald als Seelen-Filter
Zur Auflockerung gab es „Forest Bathing“ mit unserer Leiterin Beth, die ihren Corporate-Job für Baumduft eintauschte. Das klang für mich zunächst nach esotherischem Blödsinn, typisch für so ein Retreat.

Doch als Beth uns bat, einen Baum zu wählen und ihm unsere Aufmerksamkeit zu schenken, passierte etwas. Es war keine schnelle Wellness-Aktion. Wir gossen sogar Kiefernnadeltee als Dank an den Wald zurück in die Erde, bevor wir ihn tranken.
Dieser einfache Akt der Dankbarkeit gegenüber der Natur fühlte sich ehrlicher an, als jede 5-Sterne-Bewertung eines Buches.
Was jetzt zählt, wenn die Kinder ausziehen
Als ich am Sonntag zurückfuhr, roch es nicht mehr nach Arbeit und Verpflichtung, sondern nach Wald und Neuanfang. Die Wahrheit ist: Wenn die Kinder flügge sind, fühlt man sich manchmal wie 25 und muss das Leben neu sortieren: Wo lebe ich? Was mache ich jetzt?
Dieses Wochenende hat mir gezeigt, dass das Leben danach ein gänzlich offenes Buch ist. Inspiriert von den jungen Frauen probiere ich nun das Vloggen aus – nicht um berühmt zu werden, sondern um die Momente festzuhalten, die ich sonst vergesse. Und ich grüße jeden Baum, an dem ich vorbeigehe.
Was ist Ihrer Meinung nach der größte Unterschied im Lebensgefühl zwischen Ihrer Generation und der der jungen Erwachsenen heute? Diskutieren Sie mit!









