Drei Häuser, sieben Leute: Warum diese Familie nie wieder in ein Pflegeheim einzahlen muss

Stellen Sie sich vor: Sie sind mitten im Berufsleben, aber der Alltag wird dominiert von Sorge um Ihre Eltern. Oder Sie sind Mitte 50, Single und fragen sich, wer sich um Sie kümmert, wenn es so weit ist. Viele in Deutschland blicken auf steigende Mieten und noch höhere Pflegekosten und geraten ins Schwitzen. Wir haben uns das Modell einer amerikanischen Familie angesehen, das genau diesen Stress bricht.

Die McCadneys haben stattdessen die „Doppel-Nachbarschaft“ erfunden. Sie leben nicht nur nebeneinander, sie haben ein System perfektioniert, das finanzielle Entlastung, emotionale Sicherheit und eine fast schon revolutionäre Art der gegenseitigen Absicherung bietet. Das Geniale daran: Es ist kein traditionelles Mehrgenerationenhaus.

Das 7-Personen-Anwesen: Mieten sparen und Aufgaben teilen

Lauren McCadney wünschte sich schon lange, eng mit ihrer Familie zu leben. Nach einer schweren Lebensphase – einer Scheidung und dem Verlust der Mutter – wurde dieser Wunsch 2023 Realität. Sie kaufte das große Haus direkt neben ihrem Bruder James und dessen Frau Lorri.

Heute teilen sich sieben Familienmitglieder, verteilt auf zwei Grundstücke, die Pflege ihres Vaters James Senior. Das ist das stille Versprechen, das sie sich gegenseitig geben. Und es spart bares Geld, das sonst direkt an teure Altersheime ginge.

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Die Aufteilung: So funktioniert die Lastenverteilung

In Deutschland wird oft diskutiert, ob die Kinder die Pflege übernehmen können. Für die Familie McCadney ist klar: Jeder macht, was er kann. Diese Flexibilität ist der Schlüssel.

  • Finanziell: Der Vater wird zu Hause versorgt, was die Kosten für Langzeitpflege quasi auf null reduziert – ein Luxus, den sich die wenigsten leisten können.
  • Aufgaben-Tausch: Während der Bruder die medizinische Hauptlast trägt, kümmert sich die Schwester tagsüber um den Vater. Lauren wiederum sorgt für das soziale Leben und nimmt ihn mit zum Konzert.
  • Die nächste Generation hilft mit: Die 20-jährigen Zwillingsneffen sparen durch das Wohnen im Zentrum der Familie Miete und helfen aktiv aus, sei es beim Rasenmähen oder bei Fahrten zum Arzt.

Viele Eltern schauen neidisch auf diese Struktur, weil sie die emotionale Belastung der Alleinpflege vermeiden. Wenn Lauren im Urlaub ist, weiß sie, dass ihr Vater versorgt ist. Das ist in unserer oft isolierten Gesellschaft Gold wert.

Der Preis der Nähe: Privatsphäre auf der Strecke?

So idyllisch es klingt, es gibt einen Haken, den Sie kennen müssen, wenn Sie dieses Modell in Betracht ziehen. Nichts kommt ohne Kompromisse.

Die Mütter und Väter, die mitten im Berufsleben zwischen eigenen Kindern und alternden Eltern jonglieren, kennen das Gefühl: Man ist ständig im Dienst. Lorri, die Lehrerin, berichtet, dass James zeitweise erschöpft und frustriert ist. Die ständige Frage lautet: „Nehme ich meinen Kindern etwas weg, oder habe ich ihnen bereits etwas weggenommen?“

Auch Cheryl, Laurens Schwester, musste sich neu arrangieren. Nachdem sie sich ans alleinige Leben gewöhnt hatte, war die plötzliche Nähe ungewohnt. Die neue Regel lautet: Man muss aktiv lernen, die eigenen Grenzen neu zu ziehen, sonst frisst die Fürsorge den gesamten Freiraum auf. Das ist der unterschätzte mentale Aufwand.

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Ihr Blick in die Zukunft: Die „Single-Pflege-Vorsorge“

Was aber besonders spannend ist: Lauren ist kinderlos und fragt sich wie viele Gleichaltrige: Wer kümmert sich um mich?

Hier kommt der zukunftsweisende Teil: Sie und ihre Freundinnen sprechen bereits über den Bau von mehreren kleinen Wohneinheiten auf einem großen Grundstück. Sie wollen eine Art „Pflege-Genossenschaft“ gründen, um sich gegenseitig im Alter zu unterstützen. Das ist die Abkehr vom traditionellen Erben und hin zur selbstorganisierten Vorsorge.

Auch wenn die McCadneys nicht wissen, wie lange ihr Status quo hält, zeigt ihr Leben ein Modell auf, das für viele die finanzielle Falle der Pflege umgehen kann. Es geht nicht nur darum, ein Haus zu teilen, sondern darum, Verantwortung transparent auf mehrere Schultern zu verteilen.

Was denken Sie? Wären Sie bereit, für diese finanzielle und emotionale Sicherheit auf einen Teil Ihrer Privatsphäre zu verzichten? Diskutieren Sie mit uns!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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