Du malst dir das Auswandern nach Brasilien aus: Sonne, Strand und ewiger Sommer. Ich war auf alles gefasst – außer auf das kalte Grauen in meiner eigenen Wohnung in São Paulo. Als ich nach meiner Kündigung in Chicago diesen radikalen Schnitt machte, dachte ich, ich sei klimatisch abgesichert. Falsch gedacht. Die größte Überraschung hatte nichts mit Palmen, sondern mit meiner Heizung zu tun. Wenn du planst, nach São Paulo oder ähnliche Regionen zu ziehen, musst du eine Sache sofort im Kopf korrigieren, bevor du deinen Koffer packst.
Der Schock nach der Landung: Wer sagt, dass es hier immer heiß ist?
Ich bin im Mittleren Westen der USA groß geworden. Ich kenne echte Kälte. Wenn bei uns die Augenlider zufrieren, dann ist es Winter. Ich dachte, ein paar T-Shirts und mein einziger Hoodie reichen für den brasilianischen „Herbst“.
Der subtropische Frühling (September bis November) fühlte sich an, als würde mir jemand die Heizung abstellen. Weil sie es taten. In Chicago hat man Zentralheizung. In meiner neuen Wohnung in São Paulo? Nichts. Die Temperaturen waren zwar nicht extrem, aber die Umstellung ohne diese eine Komfortzone war zermürbend.
- Fehlende Erwartung: Ich hatte Brasilien nur in der glühenden Sommerhitze erlebt.
- Die Realität: Frühlingstemperaturen, die sich anfühlen wie ein ungemütlicher Herbsttag in den USA.
- Die Konsequenz: Stapeln von Shirts und der verzweifelte Griff zum einzigen Hoodie.
Viele Auswanderer machen diesen Fehler: Sie ignorieren die Temperaturunterschiede der südlichen Hemisphäre komplett, weil sie nur die Bilder von Copacabana im Kopf haben. Dabei kann es empfindlich kühl werden, wenn die Sonne weg ist.

Gänzlich neue Regeln im Kühlschrank und auf dem Teller
Die kulinarischen Unterschiede waren weniger ein Schock als vielmehr eine faszinierende Expedition. Aber lass mich dir sagen: Was in deutschen oder amerikanischen Supermärkten normal ist, zählt hier nicht.
Ungekühltes Milchwunder und unbekanntes Gemüse
Das erste, was mir auffiel, bevor ich überhaupt mein Gepäck in die Wohnung schleppte: Milch steht ungekühlt im Regal. Du siehst das und denkst sofort: „Ist das hier überhaupt sicher?“
Auch das Gemüse weicht ab. Ich fand Früchte und Sorten, von denen ich noch nie gehört hatte. Aber es geht nicht nur um unbekannte Dinge, sondern um die Struktur der Mahlzeiten selbst.
Das Frühstück der Brasilianer ist kein Festmahl
In den USA ist das Frühstück oft der wichtigste Kalorien-Kick des Tages – Pfannkuchenberge, Speck, Eier. In Brasilien? Eher nicht. Viele locals nehmen sich Zeit für Brot oder frisches Obst. Das ist effizient, aber für meinen amerikanischen Magen erst einmal ein leichtes Defizit.
Den Großteil der Energie holen sie sich später im Tagesverlauf. Die goldene Regel, die ich schnell verinnerlicht habe, ist die Kombination aus:

- Arroz (Reis)
- Feijão (Bohnen)
- Einem Stück Fleisch oder Gemüse
Das ist die Basis, die dich durch den Tag bringt. Aber keine Sorge, die Geschmacksexplosion kommt trotzdem. Vergiss nicht, unbedingt Acarajé (frittierte Bällchen) zu probieren und Doce de Leite als Nachtisch. Ein absoluter Game-Changer für mich war die unfassbare Vielfalt an internationaler Küche in São Paulo – Libanesisch, Westafrikanisch, Kolumbianisch – dieses kulinarische Schmelztiegel ist wirklich beeindruckend und schlägt vieles, was ich aus Chicago kannte.
Neugier statt Distanz: Der wahre Willkommensgruß
Meine größte Befürchtung war, als Außenseiter abgestempelt zu werden. Ich sah, wie stolz die Menschen auf ihr Land sind – bei jedem Fußballspiel, jeder Nominierung. Ich dachte, dieser Stolz könnte eine Mauer aufbauen.
Das Gegenteil passierte. Die Leute begegneten mir mit einer entwaffnenden Neugier. Sie wollten Englisch üben, sie wollten wissen, wie ich Brasilien finde. Es war keine abweisende Haltung, sondern eine offene Einladung.
Diese Offenheit hat den anfänglichen Kulturschock, der durch die Kälte und die Ernährungsumstellung ausgelöst wurde, sofort gemildert. Brasilien ist anders als die USA, das ist Fakt. Aber es ist ein Unterschied, der dich wachsen lässt, wenn du bereit bist, die versteckten Wintermonate und die ungekühlte Milch zu akzeptieren.
Was ist die eine Sache, die dich an deinem Traumziel-Land am meisten überrascht hat, von der du vorher nie gelesen hast? Schreib es in die Kommentare!









