Wir dachten immer, vulkanische Asche und erstarrte Lava seien sterile Wüsten, die erst nach Jahren langsam von Leben erobert werden. Aber was Forscher in Islandien gerade herausgefunden haben, stellt dieses Grundwissen der Biologie kalt auf den Kopf. Stellen Sie sich vor: Kaum ist der glühende Fluss erstarrt, kriechen winzige Organismen bereits ein. Was bedeutet das für unseren eigenen Planeten – und vielleicht sogar für den Mars?
Viele von uns neigen dazu, extrem harte Umgebungen als absolut lebensfeindlich abzutun, besonders wenn es um Temperaturen und Nährstoffmangel geht. Doch in meiner Beobachtung der Forschungspraxis fällt auf, wie oft wir das unterschätzen, was Leben unter Druck schafft. Dieses neue Verständnis der vulkanischen Ökologie zwingt uns, unsere Zeitlinien für die Entstehung von Leben komplett neu zu kalibrieren.
Der Schockmoment: Als Lava abkühlt, beginnt die Party
Die traditionelle Lehrmeinung war klar: Neue Magmakammern sind biologisch leer. Der Zyklus der primären Sukzession – die Besiedlung von blankem Gestein – dauerte Jahrzehnte. Man stelle sich das vor wie den Aufbau einer neuen Sandburg am Strand, die erst gefestigt sein muss, bevor die ersten Muscheln kommen.
Die isländischen Vulkane, insbesondere der Fagradalsfjall, haben diese Regel mit Füßen getreten. Die Wissenschaftler, die von 2021 bis 2023 Proben nahmen, machten eine Entdeckung, die selbst sie überraschte:
- Mikroben sind innerhalb weniger Stunden nach dem Erstarren der Lava aktiv.
- Es spielt fast keine Rolle, ob es trocken oder karg ist.
- Sie nutzen nicht etwa alte Nährstoffe, sondern fangen sofort an.
Wie überleben diese Pioniere im Basaltmüll?
Frisch geformter Basalt ist aggressiv. Er ist rau, hat kaum Feuchtigkeit und ist ernährungstechnisch ein Desaster. Wie schaffen es diese extremen Überlebenskünstler, sich dort festzusetzen? Es ist, als würde man versuchen, in einem Hochofen ein Picknick zu veranstalten.

Der Schlüssel liegt nicht im Boden, sondern in der Luft.
Forscher fanden heraus, dass ein Großteil dieser ersten Kolonisten aus der Atmosphäre stammt. Staub, Pollen und winzige Wassertröpfchen aus dem Regen transportieren die notwendigen Keime direkt auf das abgekühlte Gestein. Sie springen quasi aus dem Flugzeug auf die Landebahn.
Auch wenn die isländischen Winter hart sind, verschwinden die Populationen nicht einfach. Sie gehen in eine Art „Standby-Modus“. Sobald die Sonne im Frühling etwas wärmt, sind sie wieder da, um weiterzuarbeiten.
Warum das mehr als nur isländische Geologie ist
Die Implikationen dieses Fundes sind gewaltig, besonders wenn wir gedanklich etwas weiter von heimischen Gewohnheiten wie dem Sparen für den nächsten Skiurlaub wegdenken und in Richtung Weltall schauen.

Wenn Leben auf der Erde so aggressiv auf die Entstehung neuer, karger Landmassen reagieren kann, dann verändert das unsere Sicht auf die Bedingungen für Leben anderswo im Sonnensystem. Viele Astrobiologen gingen davon aus, dass für einen Start mindestens eine gewisse Stabilität oder organische „Vorschüttung“ nötig ist. Das hier sagt: Nein, es braucht nur eine minimale Oberfläche und ein bisschen Regen.
Der Architekten-Effekt der Mikroben
Diese Mikroben sind in Wirklichkeit die ersten Bauarbeiter des neuen Ökosystems. Sie beginnen, das mineralische Gestein chemisch zu verändern und erste, winzige Mengen an organischer Materie zu bilden. Das ist die nötige Vorarbeit, damit später Moose, Flechten oder – theoretisch – komplexere Organismen eine Chance haben.
Wir sehen hier also eine Art **biologische Beschleunigungsspur**. Dieses Phänomen ist extrem wichtig, denn es zeigt, dass die Natur nicht geduldig ist, wenn es um die Eroberung neuer Räume geht.
Ihre praktische Erkenntnis
Wenn Sie das nächste Mal in Regionen mit viel vulkanischem Gestein unterwegs sind (oder auch nur Ihre Blumentöpfe mit Gesteinsmehl aus dem Baumarkt anreichern wollen), denken Sie daran: Der scheinbar tote Stein wird von unsichtbaren Arbeitern besiedelt, die schneller sind, als Sie ahnen. Das ist die stille Kraft der Natur, die einfach beginnt, wo wir aufhören zu schauen.
Was glauben Sie: Wenn Mikroben so schnell Lava besiedeln können, wie lange würde es dann dauern, bis wir Leben auf frisch erstarrten vulkanischen Gebieten auf dem Mars nachweisen könnten?









