Stellen Sie sich vor: Sie patrouillieren routinemäßig die Küste, sind auf der Jagd nach Schmugglern oder Finanzbetrügern, und plötzlich blinkt auf dem Sonar eine Anomalie. Genau das passierte der italienischen Finanzpolizei vor der Küste Apuliens. Was sie zufällig fanden, ist nicht nur ein archäologisches Wunder, sondern wirft auch ein Licht auf römische Handelsbräuche, die wir heute kaum noch kennen.
Dieser Fund musste über ein halbes Jahr streng geheim gehalten werden. Warum so viel Aufwand für ein altes Schiff? Die Antwort liegt in dem, was die riesigen Tonkrüge, die Amphoren, an Bord hatten – und es ist nicht Gold oder Seide, wie man vielleicht erwarten würde. Viele übersehen, dass gerade die alltäglichen Güter der Antike heute die besten Geheimnisse bergen.
Der Zufall, der die Geschichte änderte: Mehr als nur ein Wrack
Im Juni letzten Jahres waren die Einsatzkräfte eigentlich auf ganz anderem Terrain unterwegs, nahe Gallipoli im Süden Italiens. Anstatt auf eine illegale Ware zu stoßen, bemerkten sie Bodenunregelmäßigkeiten. Als Spezialtaucher herabgelassen wurden, bot sich ihnen ein Anblick, der selbst Experten überraschte: die Überreste eines römischen Frachtschiffs.
Der Schreckmoment kam, als Experten das Wrack auf das 4. Jahrhundert datierten. Es war kein Luxusgut, das hier transportiert wurde. Was dieses Schiff so besonders macht, ist seine Ladung, die uns heute befremdlich erscheint, damals aber ein hochgeschätztes Gut war.

Das flüssige Gold der Römer, das heute kaum jemand kennt
Das Schiff kam wahrscheinlich aus Nordafrika. An Bord: Amphoren, gefüllt mit Garum. Wenn Sie an römische Küche denken, stellen Sie sich vielleicht Wein oder Olivenöl vor. Aber Garum war das Äquivalent zu unserem heutigen Ketchup oder unserer besten Würzsauce.
Was genau war dieser Stoff, der die römischen Händler so wertvoll fanden?
- Es war eine Würzsoße auf Basis stark fermentierten Fischs.
- Es ist der direkte Vorläufer von Sardellenpaste.
- Höchste Qualität hatte oft einen unangenehmen Geruch, aber einen intensiven Geschmack.
Man stelle sich vor, ein Schiff, das heute mit einem Container voll hochwertiger, fermentierter Fischsoße sinkt – das wäre zwar seltsam, aber für die Römer war dies ein wichtiger Handelsposten. Diese Ladung gibt Aufschluss darüber, wie intensiv die Handelswege und der alltägliche Geschmack des späten Römischen Reiches organisiert waren.

Warum der Fund so lange geheim bleiben musste (Die Gefahr lauert tiefer)
Wäre die Nachricht über den Fund bekannt geworden, hätten Schatzsucher sofort die Koordinaten ausgenutzt. Deshalb wurde das Gebiet sofort unter ständige Überwachung gestellt, sobald die Oberflächenpatrouillen die Details kannten. Bis heute ist das Gebiet gesichert, während Archäologen die Millimeterarbeit beginnen.
Die Behörden haben nicht nur aus Nostalgie gehandelt. Rund 780.000 Euro wurden für die Dokumentation und Bergung bereitgestellt. Das klingt viel, aber um die Integrität dieser fragilen Fundstücke zu wahren, ist es notwendig. Denken Sie nur an die komplizierte Dekompression, die Taucharchäologen in Deutschland oder Österreich bei einem schwierigen Bergungsprojekt anwenden müssten, nur um die Artefakte nicht zu beschädigen.
In den kommenden Monaten wird nun systematisch vorgegangen: Dokumentation der Schiffsplanken, detaillierte Kartierung der Amphoren an ihrem Platz und dann die vorsichtige Bergung. Jede Amphore ist ein Zeitkapsel.
Ihr praktischer Einblick: Wie Sie Alltägliches wertschätzen
Dieser Zufallsfund erinnert uns daran, dass die Dinge, die wir heute als selbstverständlich oder sogar „eklig“ empfinden (wie extrem fermentierter Fisch), einst ein Wirtschaftsfaktor waren. Das nächste Mal, wenn Sie im Supermarkt vor der Reihe mit den Saucen stehen, denken Sie daran: Was heute gewöhnlich ist, kann morgen verborgenes Kulturgut sein. Vielleicht sollten Sie Ihre aktuelle Lieblingssoße einmal genauer auf ihre Inhaltsstoffe prüfen – wer weiß, welche historischen Verbindungen Sie entdecken?
Was denken Sie: Würden Sie im Urlaub lieber einen Goldschatz oder eine perfekt erhaltene Ladung römischer Gewürze finden, um die Geschichte zu verstehen?









