Goethes Bernstein-Geheimnis: Forscher finden 40-Millionen-Jahre-Toter in seiner Sammlung

Sie besitzen vielleicht auch so ein altes Erbstück, das staubdicht in einer Schublade liegt und viel älter ist, als Sie ahnen. Viele von uns haben Kinkerlitzchen, die wir für dekorativ halten, aber der wahre Wert – oder der wahre Schrecken – verbirgt sich oft im Inneren, unsichtbar für das bloße Auge.

Genau das ist jetzt mit einem Teil von Johann Wolfgang von Goethes berühmter Bernsteinsammlung passiert. Was der Dichter einst als schöne Naturstudie sammelte, entpuppte sich dank moderner Technik als ein biologisches Archiv, das selbst Forscher ins Staunen versetzt. Wer hätte gedacht, dass Goethes Schreibtisch eine Zeitkapsel für prähistorische Insekten beherbergte?

Der Fund, den Goethe selbst verpasst hat

Bernstein ist die ultimative Versicherungspolice der Natur gegen das Vergessen. Diese 40 Millionen Jahre alten Harztropfen konservieren Lebewesen makellos. Aber hier ist der Haken: Für uns Laien sieht das meiste davon aus wie ein trüber Klumpen, wenn wir ihn im Urlaub in der Ostsee gefunden hätten.

Forscher der Universität Jena haben nun in Goethes Sammlung, die er einst zusammengetragen hat, per Zufall ein Exemplar in 3D gescannt. Und da blitzte es auf: eine Ameise, die älter ist als das Mittelalter unserer eigenen Geschichte.

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Warum dieser eine Käfer alles verändert

Es handelt sich um die ausgestorbene Art Ctenobethylus goepperti. Das klingt nach einem komplizierten Lehrbuch, aber die Implikation ist spannend: Weil dieses Exemplar so unfassbar gut erhalten blieb, konnten die Wissenschaftler zum ersten Mal ins Innere blicken.

Stellen Sie sich vor, Sie schauen in das Gehirn eines Tieres, das lebte, bevor es überhaupt die ersten Großstädte gab. In unserer modernen Welt verbringen wir Stunden damit, Daten zu sammeln – Goethe hatte eine biologische Datenbank in seiner Vitrine.

  • Der Schock: Man konnte Strukturen im Kopf- und Brustbereich der Ameise sehen. Das ist in diesem Alter fast unmöglich.
  • Die Technik: Moderne Bildgebung, nicht das bloße Auge, hat diesen Schatz gehoben.
  • Der Bonus: Neben der Ameise fanden sich noch eine Trauermücke und eine Kriebelmücke in anderen Steinen.

Das Erbe: Vom Dichter zum digitalen Archiv

Was mich persönlich an diesem Fund fasziniert, ist die Kontinuität. Wir denken oft, unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse fangen heute erst an. Aber hier haben wir alte Sammlungsobjekte, die erst durch unsere heutige Technologie ihren tatsächlichen Wert offenbaren.

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Die Forscher haben das gesamte Insekt digital rekonstruiert. Dieses 3D-Modell ist jetzt online zugänglich. Das ist der Clou: Wenn Sie in Deutschland ein Stück Bernstein vom Strand mitnehmen, wissen Sie vielleicht nicht, dass Sie gerade ein potenzielles Forschungsobjekt halten.

Der Kurator des Museums Merkte richtig an: Es ist surreal, dass ein Ding, das Goethe in seiner Hand hielt – einer Zeit, als die Paläontologie gerade erst ihren zaghaften Anfang nahm – uns heute noch so tiefgreifende Informationen liefern kann.

Ihr eigener Mikrokosmos: Was liegt in Ihrer Küche?

Viele Menschen in Deutschland haben solche historischen Steine als Erbstück. Mein Tipp: Wenn Sie etwas Altmodisches haben, das Sie nicht wegwerfen, bevor Sie es nicht kennen, nehmen Sie es genauer unter die Lupe. Manchmal sind die größten Entdeckungen keine Schatzkarten, sondern Mikro-Organismen, die Millionen Jahre alt sind.

Denken Sie daran: Die Technik, um diese Wunder zu sehen, ist heute günstiger und zugänglicher als je zuvor. Vielleicht liegt auch in Ihrem Haus ein kleines, verstecktes Fossil, das darauf wartet, modern analysiert zu werden.

Haben Sie selbst ein altes Naturstück von Ihren Großeltern, das Sie noch nie richtig untersucht haben? Oder halten Sie so etwas eher für nutzlosen Hausrat?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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