Merkur ist nicht tot: Warum diese hellen Kratzer erst jetzt entstehen

Sie dachten, Merkur sei ein langweiliger, ausgekühlter Felsbrocken? Falsch gedacht. Was Astronomen auf der sonnennächsten Planete entdecken, stellt alles infrage, was wir über tote Welten zu wissen glaubten.

Diese leuchtenden Linien auf dem Merkur sind keine alten Narben. Sie sind der Beweis, dass unter der Oberfläche des Planeten gerade jetzt heftig was passiert. Wenn Sie dachten, Geologie sei ein Thema von gestern, sollten Sie weiterlesen. Denn die Erkenntnisse dieser neuen Studie könnten unser Bild des Sonnensystems fundamental verändern.

Das Rätsel der leuchtenden „Lineae“

Bisher kannte man auf Merkur nur vereinzelte dieser hellen Streifen, die man offiziell als „Lineae“ bezeichnet. Sie sahen aus wie die Spuren eines kosmischen Lineals, gezogen vor Milliarden von Jahren. Doch eine neue, massive Analyse kratzt an dieser Theorie.

Ein Team um den Berner Astronomen Valentin Bickel hat über 400 dieser Strukturen gescannt. Sie nutzten künstliche Intelligenz, um fast 100.000 hochauflösende Bilder aus den Jahren 2011 bis 2015 zu zerlegen.

Das Ergebnis? Merkur ist kein fauler Kosmokrat. Er ist geologisch aktiv – und das, obwohl er so klein ist und jegliche Atmosphäre verloren hat.

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Die Sonne diktiert, wo die Action passiert

Woran erkennt man die frischen Linien? Die Forscher machten eine verblüffende Beobachtung:

  • Die hellen Linien konzentrieren sich auffällig an den Hängen der Krater, die direkt zur Sonne zeigen.
  • Sie entstehen oft nicht zufällig, sondern scheinen aus bestimmten, leuchtenden Mulden hervorzukriechen.

Auf der Erde würde so etwas schnell verwehen. Dort erodieren ähnliche Strukturen rasend schnell. Dass wir diese Linien auf Merkur noch sehen können, deutet darauf hin, dass sie aktiv sind – sie entstehen im Grunde *jetzt*.

Der heiße Atem aus dem Planeteninneren

Warum sollte ein Planet in unserem Alter noch aktiv sein? Die Antwort liegt in der Hitze und dem, was wir oft vergessen: flüchtige Stoffe.

„Flüchtige Materialien könnten durch Risse im Fels an die Oberfläche gelangen, die alte Einschläge hinterlassen haben“, erklärt Bickel.

Merkur ist nicht tot: Warum diese hellen Kratzer erst jetzt entstehen - image 2

Stellen Sie sich das vereinfacht so vor: Im Inneren des Merkur brodelt es noch. Stoffe wie Schwefel, die bei Hitze schnell gasförmig werden, steigen durch alte Bruchstellen nach oben. Wenn sie an die Oberfläche gelangen, verändern sie das Material und hinterlassen diese hellen Spuren, die wir sehen.

Diese „Hollows“ (Hohlräume) sind der eigentliche Schlüssel. Es sind Stellen, an denen das Material ausgedünstet ist. Die Linien sind quasi die Spuren des „Ausatmens“ des Planeten.

Was das für uns bedeutet (und was jetzt kommt)

Diese Erkenntnis ist wichtig, weil sie zeigt, dass selbst kleine Himmelskörper, die wir als „tot“ abgeschrieben haben, noch interne Dynamik besitzen können. Vielleicht geht es nicht nur um Millionen, sondern sogar um Milliarden von Jahren, bevor so ein Planet wirklich erlischt.

Die nächste Chance, diese Theorie zu bestätigen, kommt bald. ESA und JAXA schicken Sonden zu unserem Nachbarn, die uns hoffentlich schärfere Bilder liefern.

Wenn sich bestätigt, dass Merkur aktiv ist, dann müssen wir die Lehrbücher über die Entstehung und das Ende von Planeten komplett neu schreiben. Das ist eine Spur, die wir nicht ignorieren dürfen!

Haben Sie sich früher auch vorgestellt, der Merkur sei einfach nur ein heißer Stein? Was denken Sie: Wie lange kann so ein kleiner Planet noch „dampfen“?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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