Erinnern Sie sich an das Versprechen von 1972? Damals versprach Eugene Cernan, die Erforschung des Mondes würde weitergehen. Doch dann passierte – nichts. Über ein halbes Jahrhundert lang war der Erdtrabant für bemannte Missionen tabu. Jetzt will die NASA mit Artemis II zurück. Aber die Generalprobe in Florida lief holprig, und Experten warnen: Wir könnten gerade Zeugen eines Deja-vu werden.
Warum es jetzt so wichtig ist, dass dieser Flug klappt, hat weniger mit dem Weltraum selbst zu tun, als mit dem, was die NASA intern gerade durchmacht. Schließlich scheint sich ein Fehler aus dem Jahr 2022 zu wiederholen, der uns fast den ersten Testflug gekostet hätte.
Das 50-Jahre-Vakuum: Warum die Rückkehr so kompliziert ist
Seit Apollo 17 im Dezember 1972 niemand mehr weiter als die Erdumlaufbahn gereist ist, hat sich viel verändert. Die Ingenieure von heute sind mit der Space Shuttle-Ära aufgewachsen, nicht mit den Mondlandefähren.
Jeremy Parsons von der NASA bestätigt: Wir schicken vier Leute los, um den Mond zu umrunden. Der Plan ist ambitioniert: Nach Artemis II folgt III, die eigentliche Landung.
Aber bevor die Astronauten den Mond sehen, muss die Technik perfekt sitzen. Und genau hier beginnt die erste große Sorge, die viele übersehen:
Die doppelte Dichtungs-Falle: Helium statt Wasserstoff stresst die Technik
Während der Generalprobe lief nicht alles nach Plan. Die Riesenrakete SLS – ein gigantisches System, das tiefkalt mit Wasserstoff und Sauerstoff betankt wird – machte Probleme.

- Zuerst versagten die Wasserstoffdichtungen.
- Dann: Flüssiges Helium machte Zicken, das für den Druck in der Oberstufe sorgt.
Das ist der Haken: Ein ähnliches Versagen bei der Heliumzufuhr hat bereits den unbemannten Artemis I-Flug monatelang verzögert. Es ist, als würde man beim Autokauf feststellen, dass das gleiche Bauteil schon beim Vorgängermodell versagt hat.
Aktuell muss die Rakete zurück in die Halle. Das nächste Startfenster im April drängt. Wir sprechen hier von einem Zeitfenster, das streng wie ein Blitzstart getaktet ist.
Mehr als nur weiße Männer: Die neue Besetzung der Artemis II-Crew
Die Mannschaft selbst ist ein politisches Statement in 400.000 Kilometern Höhe. Kommandant Reid Wiseman betont, wie wichtig dieser Wandel ist. Die Crew ist historisch divers.
- Victor Glover: Der erste schwarze US-Astronaut im Mondorbit.
- Christina Koch: Die erste Frau auf dieser Reise.
- Jeremy Hansen: Der erste Kanadier überhaupt bei einem bemannten Mondflug.
Dies ist kein Zufall. Die NASA setzt bewusst ein Zeichen gegen die jahrzehntelange Monokultur der Apollo-Ära. Die Mannschaft ist größer (vier statt drei), um internationalen Partnern mehr Raum zu geben.
Der große Check: Wenn die Kapsel „Integrity“ auf die Probe gestellt wird
Bevor es zum Mond geht, muss die Kapsel „Integrity“ ein knallhartes Training auf der Erde überleben. Nach dem Start umkreist die Crew zuerst unseren Planeten. Für 24 Stunden.

Das ist der kritische Punkt: Während dieser Erdumrundung wird ein Manöver durchgeführt, das oft übersehen wird: Die Orion-Kapsel muss sich von der Raketenoberstufe trennen, sich um 180 Grad drehen und wieder andocken. Klingt einfach, ist aber notwendig, um zu beweisen, dass sie später im All an Stationen anlegen kann.
Danach trennt sich das Team: Die Oberstufe verglüht, die Orion zündet ihr eigenes Triebwerk und macht sich auf den Weg.
Europas stiller Zuwachs: Der deutsche Anteil am Rückflug
Interessant für uns Europäer: Das Servicemodul (ESM), das Energie, Wasser und Luft liefert, kommt von der ESA. Und es ist der Schlüssel zur Zukunft.
Ab Artemis IV soll ein europäischer Astronaut mitfliegen. Namen wie Alexander Gerst und Matthias Maurer fallen bereits. Europa will bis Ende des Jahrzehnts den eigenen Fußabdruck setzen.
Nach dem Sprung um den Mond wird es dann ernst beim Heimflug. Das ESM brennt in der Atmosphäre über dem Pazifik ab. Übrig bleibt die Kapsel „Integrity“, die mit einem Hitzeschild gebremst wird und vor der kalifornischen Küste ins Wasser taucht. Und ja, die Kapsel soll wiederverwendet werden – ein wichtiger Denkanstoß, wenn man an die unfassbaren Kosten denkt, die wir hier auf der Erde haben.
Wiseman sagte einmal, die Crew hoffe auf das „Go“ aus Houston, weiterzufliegen. Worte, die zuletzt 1972 fielen. Klingt nach einem Film, aber die Abstimmung mit der Bodenkontrolle ist auch heute noch der Nervenkitzel. Glauben Sie, dass die NASA trotz der Startprobleme dieses Mal die Versprechen von vor 50 Jahren wirklich einlösen kann, oder bricht Artemis II unter dem Druck der hohen Erwartungen zusammen?









