Nie wieder Opfer: Warum Ihre „beste Freundin“ Ihnen 90% der Energie stiehlt

Kennen Sie dieses Gefühl? Sie investieren Herzblut, organisieren Treffen, schreiben die erste Nachricht – immer und immer wieder. Manche Freundschaften fühlen sich an wie ein Einbahnstraßensystem, bei dem Sie konstant die Mautgebühren zahlen, aber nie die volle Leistung zurückbekommen. Jahrelang dachte ich, das sei normal, ja sogar notwendig, um wahre Nähe zu spüren. Bis ich merkte, dass ich dabei war, meine wertvollste Ressource zu verbrennen: meine Zeit und emotionale Energie.

Ich habe den Fehler gemacht, intensive, tiefe Verbindungen von jedem um mich herum zu erwarten. Die brutale Wahrheit, die ich erst spät lernte, ist: Nicht jeder Freund sucht das gleiche „Level“ an Beziehung, wie Sie es tun. Und wenn Sie das nicht verstehen, fühlen Sie sich auf Dauer chronisch zurückgewiesen.

Der Test, der alles veränderte: Warum ich einfach aufhörte anzurufen

Als ich ins Ausland zog (egal ob von Bayern nach Berlin oder wie in meinem Fall, von den USA nach Wales), war der soziale Aufbau entscheidend. Ich übernahm automatisch die Rolle der Initiatorin. Ich war die Organisatorin, die Anruferin, diejenige, die den Kontakt festhielt – aus Angst, sonst niemanden mehr zu haben.

Diese Angst ist tief verwurzelt. Wir wollen dazugehören. Aber diese ständige Initiative führte zu einem Muster:

  • Ich schrieb die SMS.
  • Ich schlug den Kaffee vor.
  • Ich hielt den Ball in der Luft, während die anderen ihn liegen ließen.

Irgendwann stellte ich mir die ultimative Frage: Was passiert, wenn ich einfach mal die Hände in den Schoß lege? Würden sie mich überhaupt vermissen?

Nie wieder Opfer: Warum Ihre

Die ernüchternden Ergebnisse der „Funkstille“

Ich startete kleine Experimente. Ich zog mich emotional und organisatorisch zurück. Die Reaktionen waren… schmerzhaft ehrlich. Einige meldeten sich nie wieder. Diese Stille war wie ein Brennglas für alte Ängste vor Ablehnung. Andere meldeten sich tatsächlich!

Worauf ich hinauslief: Ich hatte meine eigenen, sehr hohen Erwartungen (Bindung, Loyalität, Routine) auf Menschen projiziert, die andere Beziehungsmodelle bevorzugen. Vielleicht waren sie mit der Familie schon ausgelastet, vielleicht war ihre Definition von Freundschaft eben lockerer.

Die emotionale Entkopplung: Was Sie nicht mehr tolerieren müssen

Viele von uns arbeiten Vollzeit, managen Haushalt und Kinder (oder den chaotischen Münchner Stadtverkehr). Trotzdem suchen wir Schwesternschaft. Aber hier liegt die Falle: Ihren Idealvorstellungen hinterherzulaufen, wenn diese nicht synchron sind mit denen Ihres Gegenübers, ist Selbstsabotage.

Der Wendepunkt ist die Akzeptanz: Es ist in Ordnung, wenn jemand anders tickt. Das bedeutet nicht, dass die Person schlecht ist oder Sie nicht mag. Es bedeutet nur, dass sie andere Prioritäten oder soziale Kapazitäten hat.

Nie wieder Opfer: Warum Ihre

Ihr neuer Beziehungsfilter: Drei Typen Freundschaft

In meiner Praxis (oder meinem Leben, wenn Sie so wollen) habe ich die Freundschaften neu kategorisiert, anstatt sie alle gleich zu behandeln. Das nahm mir den Groll.

Ich unterscheide jetzt klar:

  • Die Kern-Crew (Maximal 3): Das sind die Seelenverwandten. Sie melden sich, ich melde mich. Sie sind die erste Verteidigungslinie bei Problemen. Hier ist die Initiative beidseitig und hoch.
  • Die Pflegefälle (Kontakt nach Bedarf): Diese Leute mag ich sehr, aber sie brauchen weniger Pflege. Ich treffe sie gerne zum schnellen Feierabendbier, erwarte aber keine Seelen-Gespräche. Hier gebe ich nur so viel, wie ich gerade habe.
  • Die Gelegenheits-Bekannten: Man grüßt sich am Sportplatz oder tauscht sich einmal im Jahr aus. Kein schlechtes Gewissen, wenn wochenlang Funkstille herrscht.

Anstatt allen 100% zu geben, habe ich gelernt, die Energie gezielt zu kanalisieren. Ich laufe keinen hinterher, deren Definition von „Loyalität“ darin besteht, sich einmal im Quartal zu melden, wenn ich selbst bereit bin für wöchentlichen Austausch.

Fazit: Weniger rennen, mehr genießen

Seit ich diese Anpassungen vorgenommen habe, fühle ich mich entspannter und erfüllter in meinen Freundschaften. Ich weiß genau, woran ich bei wem bin. Ich brauche nicht mehr die universelle Bestätigung aller, sondern die tiefe Verbundenheit der wenigen Authentischen. Und das ist genug. Mehr als genug, wenn man ehrlich ist.

Haben auch Sie schon einmal den Fehler gemacht, jemandem hinterherzujagen, der auf einer ganz anderen Frequenz sendet? Wie lange hat es gedauert, bis Sie gemerkt haben, dass Sie die einzigen „Investoren“ waren?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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