Nie wieder warten: Der eine Satz, der einseitige Freundschaften sofort heilt

Kennen Sie das Gefühl, ständig die Erste zu sein, die „Hallo“ schreibt, die das Treffen plant oder die nachfragt, ob alles in Ordnung ist? Manchmal fühlt es sich an, als wäre die ganze Pflege der Beziehung Ihre alleinige Aufgabe. Dieses Ungleichgewicht nagt leise an der Seele, bis man sich am Ende nicht nur einsam, sondern auch irgendwie „zu viel“ fühlt. Viele halten diesen Zustand für normal – dabei ist es oft der direkte Weg zur Frustration. Höchste Zeit, das Muster zu durchbrechen, bevor Sie sich endgültig zurückgewiesen fühlen.

Der Mythos der perfekten, tiefen Verbindung

Ich stand lange Zeit genau an diesem Punkt. Seit Kindertagen war ich die Organisatorin, diejenige, die aktiv für Nähe sorgte. Ob es darum ging, nach Umzügen schnell Anschluss zu finden, oder später als Erwachsene in der neuen Stadt: Ich habe immer die Brücken gebaut.

Was ich dabei oft übersehen habe: Nicht jeder Mensch braucht oder will die gleiche Intensität in einer Freundschaft. Was für mich „lebenswichtig“ war – die sofortige Antwort, die halbjährliche tiefgehende Aussprache – war für andere vielleicht nur ein angenehmer Zeitvertreib. Das ist keine Ablehnung, sondern eine Frage der inneren Programmierung.

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Das schmerzhafte Experiment: Zurücklehnen und Beobachten

Irgendwann habe ich es genug gehabt und einen kleinen Selbstversuch gestartet: Ich habe aufgehört. Nicht angerufen, nicht geschrieben, keine Pläne gemacht. Ich wollte wissen, ob meine festgefahrene Angst vor dem Alleinsein berechtigt war.

Die Ergebnisse waren ernüchternd, aber ehrlich. Einige Kontakte versickerten komplett. Das tat weh, zog alte Ablehnungsängste hoch. Doch andere meldeten sich überraschend nach Wochen. Dies zeigte mir, dass mein permanenter „Initiativ-Alarm“ oft nur meine eigene Unsicherheit bedient hat, anstatt die Freundschaft wirklich zu füttern.

Der größte Fehler: Freundschaft mit Job und Kindern vergleichen

Als vielbeschäftigte Mutter und Berufstätige habe ich gemerkt, dass ich unbewusst versuche, eine Hingabe in Freundschaften zu erzwingen, die andere einfach nicht leisten können oder wollen. Ich sehnte mich nach einer „Schwesternschaft“ der Verbindlichkeit – aber nicht jeder teilt diesen Wert.

Der therapeutische Aha-Moment: Es ist in Ordnung, wenn Menschen zufrieden sind mit lockeren Bekanntschaften für den sonntäglichen Kaffee oder den kurzen Austausch. Sie sind nicht weniger wert, sie sind nur anders verortet.

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  • Akzeptanz statt Groll: Der Groll entsteht erst, wenn wir erwarten, dass alle unsere Intensität spiegeln.
  • Klarheit schaffen: Sortieren Sie unbewusst, wer welchen Typ Freundschaft sucht.
  • Die eigene Energie schützen: Dort investieren, wo die Resonanz da ist.

Ihr neuer Fokus: Drei Anker reichen

Ich habe meine Prioritäten drastisch verschoben. Statt zwanzig „Kontakten“ Energie zu widmen, die ich ständig anschieben musste, konzentrierte ich mich auf jene, bei denen die Anstrengung auf Gegenseitigkeit beruhte. **Das sind bei mir aktuell drei verlässliche Personen.**

Das bedeutet nicht, dass die anderen Kontakte nutzlos sind. Wenn ich im Supermarkt oder am Schultor eine Bekannte sehe, genieße ich den Kontakt. Aber ich verfolge nicht mehr aktiv das Ziel, die Freundschaft zu „retten“. Ich erwarte nur noch das, was realistisch gegeben wird.

Seit ich diese Umstellung vorgenommen habe, bin ich entspannter. Ich weiß, wer meine loyale Basis ist. Und diese Basis reicht vollkommen aus, um sich geliebt und gesehen zu fühlen. Schluss mit dem Wettrennen um die nächste SMS!

Wie viel Energie geben Sie derzeit in Freundschaften, die Ihnen wenig zurückgeben? Welche Art von Freundschaft fehlt Ihnen am meisten?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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