Sie sitzen in Ihrem deutschen Büro, starren auf den grauen Himmel und fragen sich, ob das wirklich alles ist? Viele alleinerziehende Mütter glauben, Erfolg und Auszeit seien unvereinbar. Sie denken, ein kompletter Neustart bedeutet finanzielles Risiko und emotionale Turbulenzen für die Kinder. Ich sage Ihnen: Das Gegenteil ist der Fall.
Meine Geschichte klingt nach einer typischen „Eat, Pray, Love“-Sehnsucht, aber sie ist im Kern brutale Business-Realität. Ich habe meine Verlobung in London gelöst, meinen Job gekündigt und bin mit meinem Sohn nach Phuket gezogen, wo ich jetzt als PR-Managerin arbeite. Und ich bereue es keine einzige Sekunde.
Der Mythos vom „sicheren“ britischen Job
In London jagte ich dem nächsten großen Deal hinterher, spezialisiert auf Luxusclubs, und war bekannt aus dem Fernsehen. Aber innerlich fühlte sich das wie ein Hamsterrad an. Der Druck, als alleinerziehende Mutter alles perfekt managen zu müssen, hat mich fast zermahlen.
Der Schock-Moment: Geboren, aber nicht zugehörig
Witzigerweise wurde ich in Thailand geboren, weil mein Vater dort bankte. Zurück in England war ich trotzdem nur die Deutsche. Das Gefühl, eine Wahl zu haben, fehlte mir völlig. Dann brach alles weg – die Beziehung, die feste Struktur. Plötzlich war offen.
Dieser Bruch war mein größter Gewinn. Ich erkannte: Wenn ich schon alles verliere, kann ich auch alles riskieren.

Phuket: Mehr als nur Traumstrände für Freelancer
Viele denken bei Thailand sofort an digitale Nomaden, die ohne feste Arbeit Kaffee trinken. Pustekuchen. Ich bin ehrgeizig. Der thailändische Lebensstil „sabai sabai“ (ganz entspannt) gilt für das Privatleben, nicht für das Business. Ich habe sofort angefangen, mein Netzwerk zu nutzen.
Der Schlüssel, um hier Fuß zu fassen, lag im **echten Engagement**. Nur mit einem Digital-Nomaden-Visum reicht es nicht. Ich musste hart arbeiten, um die notwendige Arbeitserlaubnis zu bekommen.
Der Karrieresprung, der in Deutschland undenkbar war
Ich habe mich nicht beworben wie eine Verrückte. Ich habe gezielt Kontakte genutzt. Jemand erzählte mir von einer PR-Stelle im Anantara Hotel. Perfekt, denn ich kannte mich im Luxus-Hospitality-Sektor aus.
Hier sind zwei ungeschriebene Gesetze der lokalen Arbeitswelt, die Sie kennen müssen:
- Respekt zählt mehr als Titel: Sprechen Sie Kollegen mit „Khun“ vor dem Vornamen an. Das ist keine Formsache, das zeigt, dass Sie die Hierarchie verstehen.
- Lokale Rituale respektieren: Jeden Freitag gehen wir vor der Besprechung zu den Geisterhäuschen und zünden Räucherstäbchen an. In London hätte man mich dafür ausgelacht. Hier ist es ein tief empfundenes Ritual, das zeigt, dass man Teil der Gemeinschaft wird.
Achtung vor diesem Fehler: Viele Expats versuchen, ihre alten Strukturen 1:1 zu übertragen. Das funktioniert nicht. Sie müssen die lokalen Nuancen lernen, sonst bleiben Sie Außenseiter.

Der wichtigste Faktor: Das Kind
Als alleinerziehende Mutter war die Sorge um meinen Sohn mein größter Stressfaktor. Würde er sich einleben? Würde er Freunde finden?
Mit acht Jahren war es der perfekte Zeitpunkt für diesen großen Wechsel. Er hat sich schneller angepasst, als ich dachte. Er lernte Thai in der Schule und blühte auf. Sein Glück war die ultimative Bestätigung meiner Entscheidung. Wäre er unglücklich gewesen, wären wir sofort zurückgeflogen.
Der heimliche Vorteil des Neustarts
Ja, Phuket hat riesige Verkehrsprobleme, besonders wenn die Touristen kommen. Aber diese Momente des Chaos gleichen die Lebensqualität mehr als aus. Sie tauschen den Stress des Pendelns und des erzwungenen Status quo gegen transparentes, warmes Chaos.
Ich habe zwar mit einer vagen „Liebe diesen Ort“-Vision angefangen, aber ich bin geblieben, weil es funktioniert hat. Die Mischung aus anspruchsvoller Karriere und einem entspannten, sonnigen Alltag schlägt die graue Routine um Längen.
Haben Sie auch schon mal mit einem radikalen Cut geliebäugelt, aber die „Vernunft“ hat Sie zurückgehalten?









