Sie sitzen wahrscheinlich gerade auf Ihrer Couch, vielleicht sogar in dem teuren, ergonomischen Bürostuhl, für den Sie tief in die Tasche gegriffen haben. Aber was, wenn ich Ihnen sage, dass genau diese Bequemlichkeit Sie körperlich ausbremst und Ihr Zuhause unnötig verstopft?
Mein Mann und ich, beide Mitte 50, haben den ultimativen Minimalismus-Test gewagt: Wir leben fast komplett ohne Möbel. Was zunächst wie eine radikale Hipster-Idee klang, entpuppte sich als ein echter Gesundheitsschub. Lesen Sie weiter, bevor Sie das nächste teure Regal kaufen – Sie könnten gerade Geld und Gesundheit verbrennen.
Der Schockmoment: Vom Lounge-Sessel zur Bambusmatte
Als wir 2020 noch gemütlich auf unserer L-förmigen Couch versackten, klang die Idee des „möbelfreien Wohnens“ nach blanker Fantasie. Dann kam der Wendepunkt, ausgelöst durch einen unscheinbaren Podcast, als wir ohnehin vor einem Umzug standen.
Die Zwangslage, die zur Chance wurde
Anstatt das nächste voll möblierte Haus zu suchen (was in unserem Alter ja „erwartet wird“), sahen wir die Chance, als wir eine traumhafte, aber unmöblierte Wohnung fanden. Der Garten mit der hohen Kiefer hat meine Frau überzeugt, bevor ich überhaupt den Mund aufmachen konnte. Wir waren bereit für das Experiment.

Der Start war holprig. Das erste billige Futon? Ein Alptraum für den Rücken. Wir landeten bei unseren alten Campingmatratzen. Und wissen Sie was? Es fühlte sich plötzlich richtig an. Wer braucht schon protzige Einrichtungsgegenstände, wenn der Boden seine Dienste tut?
Die unerwarteten Gewinne: Weniger Kram, mehr Power
Die größten Veränderungen kamen nicht durch das, was fehlte, sondern durch das, was wir dadurch gewinnen mussten: Bewegung.
Stahlharte Körperhaltung – dank fehlendem Komfort
Nach nur einem Monat spürten wir den Unterschied. Wir mussten ständig vom Boden aufstehen und uns wieder hinsetzen – ganz ohne die Hände zu benutzen. Klingt simpel, ist aber ein Knochen-Workout!
- Bessere Haltung: Ohne das Einsinken in den weichen Sessel korrigiert der Körper automatisch die Wirbelsäule.
- Verbessertes Gleichgewicht: Aufstehen ohne Abstützen trainiert tiefliegende Muskeln.
- Konstante Bewegung: Wer stundenlang im bequemen Bürostuhl versinkt, vergisst das Aufstehen. Wir werden ständig daran erinnert, die Position zu wechseln.
Und der praktische Teil? Die Wohnung sieht immer aufgeräumt aus. Wenn Sie in den letzten Jahren öfter umgezogen sind, wissen Sie, wie lästig schwere Möbel sind. Für uns ist dieser Lebensstil perfekt, da er unsere ständige Wechselbereitschaft unterstützt.
Selbst unsere mürrische Katze scheint es zu lieben, da sie unzählige Gelegenheiten hat, zwischen unseren Beinen hindurchzuschlüpfen, anstatt auf unserem Schoß zu sitzen.

Die ehrliche Kehrseite: Keine Dinnerpartys mehr
Wenn wir von unserem Leben erzählen, kommt sofort die Frage: „Und wie unterhaltet ihr Gäste?“ Hier kommt die Wahrheit auf den Tisch: Das tun wir aktuell nicht.** Wir wollen niemanden dazu zwingen, auf dem Boden zu sitzen und sich unwohl zu fühlen.**
Wir haben einen Kompromiss gefunden, der für uns funktioniert, aber vielleicht nicht für Sie: Wir treffen uns mit Freunden zum Kaffeetrinken oder Essen, anstatt sie in unsere „Zen-Zone“ einzuladen. Das hält die Atmosphäre locker.
Der nächste Schritt – Eine neue Art von Unbequemlichkeit
Ironischerweise planen wir das nächste große Experiment: das Leben im Van, voraussichtlich Ende 2026. DAFÜR planen wir die Rückkehr zu einem Bett und einer Couch. Denn auch unser minimalistisches Gewissen hat Grenzen. Selbst wir sind nicht bereit für die totale Selbstkasteiung im Camper.
Was denken Sie? Könnten Sie sich vorstellen, zumindest temporär auf sperrige Möbel für ein paar Wochen zu verzichten und zu sehen, wie Ihr Körper reagiert? Oder gehört die Couch für Sie einfach zum unverhandelbaren Wohlfühlfaktor?









