Selbst im Tod: Das absurde Erbe, für das Epstein seine Verlobte Millionärin machen wollte

Stellen Sie sich vor, Sie planen Ihr Vermächtnis, während Sie in U-Haft sitzen – in Erwartung des Urteils, das Ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Genau das tat Jeffrey Epstein kurz vor seinem Tod. Was in seinem geheimen „1953 Trust“ stand, ist schockierend: Er zementierte die Macht seiner engsten Vertrauten, auch wenn er selbst nicht mehr da war. Viele von uns denken bei Testamenten an klare Verteilungen, aber Epsteins Plan war ein Meisterstück der Absicherung für seinen inneren Kreis.

Gerade weil der Fall Epstein so viel Staub aufgewirbelt hat, ist dieser Blick hinter die Kulissen des „1953 Trust“ so brisant. Es enthüllt nicht nur, welche Summen im Spiel waren (über 630 Millionen US-Dollar!), sondern auch, wer glaubte, einen Anspruch auf diesen dunklen Schatz zu haben. Aber hier kommt der Haken: Das meiste Geld fließt nicht an die Begünstigten, sondern an die Opfer.

Der „1953 Trust“: Das Testament, das niemand sehen sollte

Epstein unterschrieb dieses Dokument am 8. August 2019 – nur Tage, bevor er starb. Es war ein „Pour-over-Trust“, konzipiert, um die Vermögenswerte erst nach Abschluss *aller* gerichtlichen Angelegenheiten auszuzahlen. Das ist wichtig, denn es bedeutet, dass die tatsächliche Verteilung noch jahrelang blockiert war.

Die Hauptbegünstigte: Verlobte und Diamanten

Die größte Überraschung im nun veröffentlichten Dokument ist Karyna Shuliak, Epsteins Verlobte. Sie war die letzte Person, mit der er außerhalb des Gefängnisses sprach.

  • 100 Millionen US-Dollar sollten an sie gehen.
  • Dazu kamen Immobilien: Manhattans Herrenhaus, eine Pariser Wohnung, eine Ranch in New Mexico und – fast schon pervers – zwei Privatinseln auf den Jungferninseln.
  • Als Zeichen der „Erwartung einer Ehe“ erhielt sie einen 32,73-karätigen Diamantring. Handschriftlich fügte er hinzu, dass sie 48 weitere Einzel-Diamanten behalten dürfe, falls die Hochzeit platzt.

Man merkt: Hier wurde nicht gespart. Es sollte ein finanzielles Polster für seine engste Vertraute geschaffen werden, egal was passierte. Viele dachten, solche Summen gingen an die Familie, aber Epsteins Prioritäten lagen anderswo.

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Der große Umschwung: Warum die Opfer Vorrang haben

In vielen deutschsprachigen Berichten sehen wir oft nur die Schlagzeilen über die Verteilung. Was oft untergeht, ist die Realität, die Anwälte der Nachlassverwalter jetzt bestätigen.

Fakt ist: Bevor Shuliak oder irgendjemand anderes einen Cent sieht, müssen alle Gläubiger und Opferansprüche bedient werden. Fast 127 Millionen US-Dollar waren im September 2025 noch im Nachlass, aber Hunderte Millionen flossen bereits in Entschädigungen (rund 125 Millionen US-Dollar an über 100 Opfer) und Anwaltskosten.

Der „1953 Trust“ schien darauf ausgelegt, die Kontrolle zu sichern, aber die juristischen Realitäten haben diese Pläne ausgebremst. Es ist ein bitteres ironisches Ende für einen Mann, der alles kontrollieren wollte.

Die Schattenfiguren: Anwalt und Buchhalter an der Spitze

Nach Shuliak folgen diejenigen, die Epsteins Finanzen jahrelang gemanagt haben. Sie waren nicht nur Begünstigte, sondern auch die designierten Treuhänder:

Darren Indyke (Anwalt) sollte 50 Millionen US-Dollar erhalten. Richard Kahn (Buchhalter) stand mit 25 Millionen US-Dollar in der Planung.

Beide sollten die verbleibenden Trusts verwalten – einschließlich eines Pensionsfonds für Shuliak und eines weiteren Trusts für eine geschwärzte Person. Die Anwälte beteuern, dass die beiden ihre Pflichten nie zugunsten eigener Interessen verletzt hätten. Aber seien wir ehrlich: Wer so lange die Finanzen eines Milliardärs verwaltet, ist tief verwurzelt im System.

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Der Umschwung der Dubin-Familie: Ein fast vergessenes Erbstück

Interessant ist der Blick auf den früheren Trust vom Januar 2019. Dort sah Epstein die Tochter seiner Ex-Partnerin Eva Andersson Dubin, Celina Dubin, als Hauptbegünstigte. Ihr sollten die Ranch in New Mexico und die Privatinsel zufallen.

Das ist ein typischer Move reicher Menschen: Testamente anpassen, sobald sich die Beziehungen ändern. Die Dubin-Familie hat inzwischen offiziell auf jedes Erbe verzichtet. Ihre Sprecher betonten, dass sie von den Trusts nichts wussten und schockiert über Epsteins Taten seien.

Ein weiteres Detail, das zeigt, wie eng das Netzwerk war: Ghislaine Maxwell, verurteilt wegen Menschenhandel, sollte laut dem finalen Trust 10 Millionen US-Dollar erhalten – eine Summe, die im früheren Dokument gar nicht auftauchte. Ein direktes Dankeschön für langjährige „Dienste“?

Was Sie daraus lernen können – Der mobile Hack

Dieser Fall ist ein Lehrstück darüber, wie komplex Nachlässe werden, wenn große Summen und dubiose Geschäfte involviert sind. Egal, ob Sie ein paar Tausend Euro oder Millionen vererben wollen, die Lektion ist dieselbe – das Testament muss wasserdicht sein, gerade bei den Treuhändern.

Lifehack für Ihre eigenen Vorsorge: Überprüfen Sie, wer als Ersatz-Treuhänder eingetragen ist. Epstein hatte mehrere Versionen – das zeigt, dass er ständig nachjustierte. Wenn Ihr Haupttreuhänder (Ihr Vertrauensanwalt oder Ihr bester Freund) ausfällt, wer übernimmt? Wenn Sie (wie in Deutschland üblich) den Notar beauftragen, stellen Sie sicher, dass die Klauseln klar definieren, **wer welche Konten schnell sperren darf**, um unerwartete Abhebungen zu verhindern, bevor das Gericht abschließt.

Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis: Selbst der Versuch, das Chaos zu ordnen, scheitert oft an der eigenen Vergangenheit. Was denken Sie, ist die größte Schwachstelle in so komplexen Nachlassplänen, die wir im Alltag oft übersehen?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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