Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach Hause und das Erste, was Sie tun, ist, sich nicht auf die Couch fallen zu lassen – weil Sie keine haben. Viele empfinden die Vorstellung eines möbelfreien Lebens als puren Horror, ein Zeichen für Armut oder extreme Askese. Doch was, wenn ich Ihnen sage, dass genau dieser radikale Verzicht bei uns das Chaos im Kopf beseitigt hat?
Nachdem wir nun seit vier Jahren in unserer Gartenwohnung fast ausschließlich auf dem Boden leben, ernten wir täglich unerwartete Vorteile. Wir sind 57 und 60 Jahre alt, und unsere Freunde kaufen La-Z-Boy-Sessel. Wir hingegen halten unsere Yogamatten fest. Das Unglaublichste? Wir bereuen diesen Schritt keinen einzigen Tag. Lesen Sie weiter, denn dieser Lebensstil ist nicht so unbequem, wie Sie denken.
Wie der Zufall uns zum Wohn-Experiment zwang
Wir waren schon immer Fans des Minimalismus, aber der Sprung in die Vollen – also *keine* Möbel – erschien uns lange Zeit utopisch. Wir dachten, es sei ein Schritt zu weit.
Dann kam der Podcast. Die Idee faszinierte mich sofort, meine Frau war zunächst skeptisch. Unser Plan war eigentlich der Umzug aufs Land in ein komplett eingerichtetes Haus. Das Leben hatte andere Pläne.
Als wir fünf Monate später wieder in Kapstadt waren und eine traumhaft günstige, *komplett leere* 3-Zimmer-Wohnung fanden, sahen wir darin ein Zeichen. Der üppige Garten mit der großen Kiefer in der Mitte? Das war die Überzeugung für meine Frau. Sie hätte dort wahrscheinlich auch im Zelt geschlafen.
Die ersten schmerzhaften Fehler (und wie wir sie korrigierten)
Zu Beginn haben wir fast alles falsch gemacht, weil wir versucht haben, „etwas“ zu kaufen. Wir starteten mit einem billigen Futon zum Schlafen.

- Fehlerbehebung: Das Futon war eine Katastrophe für unseren Rücken. Wir haben es sofort entfernt.
- Die Lösung: Seitdem schlafen wir auf robusten Campingmatratzen. Bequem genug, aber fest.
- Unser Aufschub: Eigentlich wollten wir Tatami-Matten kaufen, aber aus reiner Sparsamkeit („Wenn es nicht kaputtgeht, braucht man nichts Neues“) haben wir das lange hinausgezögert.
Aber die erste Erkenntnis war sofort da: Auf dem Boden zu leben, fühlte sich instinktiv richtig an.
Die verborgenen Boni: Warum Ihr Rücken es Ihnen danken wird
Der körperliche Effekt setzte bereits nach einem Monat ein. Sie verharren nicht mehr in einer bequemen Kuhle – jeder Abend wird zur Mini-Workout-Session.
Stärkere Haltung und besseres Gleichgewicht
Ohne den „Sog“ eines tiefen Sofas, der Sie zwingt, in einer Position zu verharren, sind wir ständig in Bewegung. Wir müssen aufstehen, uns strecken, die Position wechseln.
- Sie trainieren unbewusst die Aufstehbewegung ohne Hilfe der Arme – das verbessert das Gleichgewicht enorm.
- Dieser ständige Positionswechsel verhindert, dass sich Verspannungen im Büroalltag festsetzen, den wir trotzdem ab und zu haben.
Der Umzugs-Hack für alle Kurzentschlossenen
Wir sind in den letzten Jahren oft umgezogen. Das Fehlen von Möbeln macht den Umzug zu einem Kinderspiel. Ein paar Taschen, Kisten, unsere Matratzen und fertig. Dieser Lifestyle unterstützt unseren Wunsch nach Flexibilität perfekt.
Auch die Putzroutine ist radikal vereinfacht. Kein Staubfänger, keine Ecken, in die man nicht kommt. Die Wohnung wirkt immer aufgeräumt – selbst wenn das Chaos im Kopf kurzzeitig droht.
Und ja, selbst unsere wählerische Katze liebt es: Sie hat unendlich viel Platz, um zwischen unseren Beinen durchzuschlüpfen, anstatt sich auf einen Sessel zu zwängen. Sie nutzt den Boden als Spielplatz.

Ein Dealbreaker: So handhaben wir den Besuch
Das ist die häufigste Frage, die wir hören: „Wie unterhaltet ihr Gäste?“ Ganz ehrlich: Wir tun es nicht – zumindest nicht im klassischen Sinne bei uns zu Hause.
Wir wollen niemanden zwingen, sich unwohl zu fühlen, nur weil er sich auf dem Wohnzimmerboden nicht einrichten kann. Hier haben wir einen pragmatischen Kompromiss gefunden, der überraschend gut funktioniert:
- Wir treffen uns zum Kaffee oder einem Spaziergang draußen.
- Abends gehen wir lieber gemeinsam essen oder in ein Café.
Das mag für traditionsbewusste Gastgeber nicht ideal sein, aber es passt zu unserem Leben. Wir tauschen die Bequemlichkeit des Wohnzimmers gegen echte Erlebnisse außerhalb der Wohnung ein.
Der unvermeidliche nächste Schritt (Selbst wir sind nicht perfekt)
Wir planen bereits unser nächstes großes Experiment für Ende 2026: Der Umzug in einen Van. Nun, technisch gesehen könnte man auch da ohne Bett und Couch auskommen…
Aber selbst wir ziehen da eine Grenze. Ein Bett und eine kleine Sitzecke sind notwendig, wenn man mobil leben will. Man muss wissen, wann der Punkt der reinen Selbstkastelei überschritten ist.
Was denken Sie? Würden Sie einen Monat lang alles bis auf die Campingmatratze aus dem Wohnzimmer verbannen, um Ihre Haltung zu verbessern? Verraten Sie uns in den Kommentaren, welche Wohnungseinrichtung Sie niemals aufgeben würden!









