Stellen Sie sich vor: Es ist früher Morgen, und Ihr Tag beginnt nicht mit einem Kaffee, sondern damit, dass Ihnen Kollegen siebzehn Mal hintereinander Blut abnehmen. Klingt nach einem extremen Albtraum? Für ESA-Astronautin Sophie Adenot ist das eben die Vorbereitung vor dem Raketenstart. Bevor sie zur ISS fliegt, muss sie durch einen medizinischen Marathon, der selbst hartgesottene Sportler ins Schwitzen bringt. Und das Wichtigste: Diese Tortur ist notwendig, damit wir in tausenden Kilometern Höhe sicher sein können.
Sophie Adenot, die bald mit SpaceX zur ISS aufbricht, wartet ungeduldig darauf, ins All zu dürfen – in die Fußstapfen ihrer Heldin Claudie Haigneré. Aber die letzten Wochen sind brutal verdichtet. Ich habe sie bei einer Präsentation beobachtet, und es wurde schnell klar: Zwischen uns und dem Start liegen Wochen, die sich anfühlen wie Jahre Training in Zeitraffer.
Der unerbittliche Countdown: Medizin, Schweiß und Simulatoren
Astronautentraining ist kein Zuckerschlecken. Besonders, wenn der Starttermin so nah ist. Adenot beschrieb mir die tägliche Realität, die viele von uns nur aus Hollywood-Filmen kennen, aber nie selbst erleben. Die Intensität ist kaum vorstellbar.
Der medizinische Check: Das Nadel-Fiasko
„Heute Morgen hat man mir beispielsweise 17 Blutproben hintereinander abgenommen“, erzählte sie beiläufig. Fünfzehn Minuten später musste sie bereits ihre Muskelkraft bei Sporttests beweisen – alles vor der offiziellen Pressekonferenz. Kein Wunder, dass man bei uns, wenn wir im Sommer zur Vorsorge gehen, oft schon nach der ersten Entnahme einen Bluterguss haben.
Das steckt dahinter: Jedes einzelne System im Körper muss auf die Belastung im All vorbereitet sein und darf keine bösen Überraschungen liefern. Es geht darum, die absolute Höchstform zu garantieren, und das wird gnadenlos getestet.
- Dauerstress: Nach den Tests folgen bis zu zwölf Stunden Training in Cottbus und Houston.
- Simulation: Die Crew übt im Dragon-Simulator alle erdenklichen Notfallszenarien, bis sie unter Druck fehlerfrei funktionieren.
- Gefühl der Schwerelosigkeit: Sogar das Training für Außenbordeinsätze im großen Schwimmbecken steht an – eine wichtige Vorbereitung für das Vakuum.

Wenn die Zeit selbst zum Gegner wird
Was Adenot besonders herausstach, war das Tempo. Sie wurde erst vor etwa drei Jahren nominiert, und der Sprung zur ISS erfolgt in Rekordzeit. Sie selbst war überrascht, wie kompakt alles gepackt wurde.
Im normalen Arbeitsleben bei uns in Deutschland kennen wir das Gefühl, kaum eine Aufgabe abgeschlossen zu haben, da schon die nächste dringende E-Mail im Postfach wartet. Bei Adenot ist das zehnmal intensiver: Kaum eine Qualifikation ist in der Tasche, muss die nächste Prüfung bestanden werden. Man atmet kaum durch, bevor die nächste Hürde wartet.
Der Blick nach oben und die Verantwortung
Adenot spricht viel über Inspiration. So wie sie Claudie Haigneré bewunderte, hofft sie, nun selbst bei jungen Schülerinnen das Feuer zu entfachen. Gerade hier bei uns in Europa sehen wir oft, dass MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) als zu trocken empfunden werden.
Ihr Appell ist stark: Wenn ihr Blick von oben auf unseren Planeten sie zeigt, wie zerbrechlich die Erde ist, dann nutzt das, um Träume zu verfolgen und gleichzeitig unseren Planeten zu schützen.
Die Weltraum-Physik der Zusammenarbeit
Die Mission spielt sich in einem politisch angespannten Umfeld ab: Amerikaner, Russen und Europäer sind in einer Kapsel vereint. Viele fragen sich: Kann diese fragile Allianz angesichts der Spannungen auf der Erde halten?

Adenots Antwort ist die beste Lektion für uns alle: Die ISS funktioniert seit 25 Jahren als friedliche Zone. „Meine Philosophie ist, mein Glück nicht von Dingen abhängig zu machen, die ich nicht kontrollieren kann“, erklärt sie. Sie konzentriert sich auf das Machbare: Die Arbeit mit dem Team, der nächste Missionsschritt.
Und genau darin liegt die Botschaft für unsere zerstrittene Welt: Manchmal muss man die Zusammenarbeit über die politischen Differenzen stellen, weil das gemeinsame Ziel wichtiger ist.
Ihre Botschaft an die nächsten Challengerinnen
An alle jungen Frauen, die von Wissenschaft und All träumen, hat sie eine klare Ansage, die man bei der Planung der Karriere im Kopf behalten sollte:
- Gehen Sie Schritt für Schritt voran.
- Bleiben Sie dran, auch wenn der Weg endlos scheint.
- Frauen haben im Weltraum – und in der Ingenieurswissenschaft allgemein – nichts verloren? Das ist Blödsinn.
Fünfzig Prozent der Bevölkerung sind Frauen – es gibt keinen Grund, warum sie nicht auch fünfzig Prozent der Forscher, Piloten und Ingenieure sein sollten. Man muss nur den Mut haben, alle Sparten zu erkunden.
Sophie Adenot startet bald. Sie hat die Härte der Vorbereitung überstanden, die körperliche Tortur hingenommen und die politische Zerbrechlichkeit beiseitegeschoben. Jetzt geht es darum, die unglaubliche Leere zu erleben – aber auch den Blick auf unser Zuhause zu genießen.
Was halten Sie von dieser knallharten Vorbereitung? Würden Sie auch 17 Blutabnahmen für einen Traum ertragen, oder ist der Boden doch zu bequem?









