Stopp! Warum plötzlich alle Amerikaner heimlich asiatische Morgenrituale übernehmen

Sie sind morgens müde, aufgebläht oder Ihre Haut macht nicht mit? Dann aufgepasst: Im Netz geht gerade ein Satz viral, der alles verändert: „You met me in a very Chinese time in my life.“ Was klingt wie eine Episode aus einem Kulturschock-Drama, ist in den USA knallharte Realität geworden.

Immer mehr junge Amerikaner lassen ihre eigenen Gewohnheiten links liegen und implementieren chinesische Alltagsrituale, von Qigong bis hin zum morgendlichen Glas heißem Wasser. Das nennt sich kurzerhand „Chinamaxxing“. Was steckt dahinter? Ist das nur ein weiterer kurzer Wellness-Tick, den wir in Deutschland bald nachahmen müssen? Oder ist das ein Zeichen dafür, dass sich das gesamte Bild von China in der westlichen Welt gerade massiv verschiebt?

Der Mythos vom „statischen China“ ist vorbei

Ich habe mir das Phänomen angesehen, das gerade TikTok dominiert. Viele übersehen, dass es hier nicht nur um das nächste Rezept geht. Experten sehen darin einen massiven Anstieg der kulturellen „Soft Power“ Chinas.

Forget Panzer und Politik. Aktuelle amerikanische Creator zeigen keine Propaganda, sondern Lifestyle: Ästhetische Großstadt-Szenen, köstliches Congee statt Toastbrot und Rituale, die intuitiv sind und sofort Entspannung versprechen.

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Warum diese Rituale so leicht funktionieren

Die übernommenen Praktiken sind oft niedrigschwellig. Man muss kein Experte sein, um einen Topf Wasser zum Kochen zu bringen. Das ist der Schlüssel zur viralen Verbreitung.

  • Heißes Wasser am Morgen: Gegen Blähungen und für bessere Haut – so schwören es zumindest die Influencerinnen aus Miami.
  • Essensrituale: Herzhafter Reisbrei (Congee) wird neuer Liebling statt schneller Haferflocken.
  • Glücksbringer-Aberglaube: Manche waschen sich am Neujahrstag nicht die Haare – um das Glück nicht „wegzuspülen“, ganz nach altem Brauch.

Man merkt: Dieses neue China-Bild, das über TikTok kommt, ist selbstbewusst und ästhetisch. Es unterscheidet sich komplett von der veralteten Vorstellung, die viele von uns noch im Kopf haben.

Der heimliche Weg über Xiaohongshu

Wie kommt das? Viele weichen auf das chinesische Äquivalent zu Instagram, Xiaohongshu (oder „Rednote“), aus. Dort bekommen Gen-Z-Nutzer direkte, ungefilterte Einblicke in den Alltag Gleichaltriger drüben. Das ist, als würde man plötzlich den perfekten Geheimtipp für die nächste Reise erhalten.

Dieses Phänomen ist vergleichbar mit dem Japan-Boom der 2000er Jahre, als Pokémon und Mario die gesamte Jugend eroberten. Die Kultur wird als „cool“ wahrgenommen, nicht als geopolitisches Problem. Und genau das macht Pop-Marken wie Pop Mart so erfolgreich.

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Wenn Wertschätzung auf Irritation trifft

Die große Frage: Ist das kulturelle Aneignung? Die Community reagiert überraschend positiv. Viele chinesische Nutzer in den USA zeigen sich stolz und ermutigen die Nachahmer. Der Konsens scheint zu sein: Wertschätzung ist keine Aneignung. Was die westlichen Creator tun, fühlt sich für viele nicht wie Stehlen, sondern wie eine willkommene Anerkennung an.

Aber es gibt eine wichtige Kehrseite, die wir in Deutschland leicht übersehen, wenn wir uns die hippen Videos ansehen:

  • Für viele ethnische Chinesen fühlt sich der Trend zwar wunderbar an, erzeugt aber auch ein „leicht befremdliches Gefühl“.
  • Gerade erst war es ein Risiko, im Alltag als „anders“ wahrgenommen zu werden – heute ist es plötzlich trendy.

Genau hier liegt der Knackpunkt: Während jemand in Miami sein Wohlbefinden mit einem chinesischen Ritual „optimiert“, erleben echte chinesische Mitbürger im Alltag weiterhin Rassismus. Man sollte kurz innehalten und sich fragen, ob man wirklich versteht, was man da adaptiert.

Was denken Sie? Würden Sie morgens spontan anfangen, chinesische Gewohnheiten zu integrieren, wenn sie Ihnen einen Vorteil versprechen? Oder sehen Sie diese Trends eher kritisch?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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