Vergessen Sie Dürre: Dieser heimliche Import lässt 4 Milliarden Menschen vertrocknen

Haben Sie das Gefühl, die Nachrichten über Dürren und leere Stauseen betreffen immer nur die „ferne Welt“? Denken Sie nochmal nach. Während im Westen der USA oder in Teilen Australiens Seen zu Salzwüsten werden, zieht eine Expertin eine alarmierende Parallele: Wir in Deutschland tragen eine riesige Mitschuld. Und das Schlimmste daran? Manche Schäden sind nicht mehr rückgängig zu machen.

Ein neuer Bericht der United Nations University zeichnet ein düsteres Bild: Der globale „Wasserbankrott“ ist keine ferne Krise mehr, sondern Realität. Es bedeutet, dass mehr Wasser verbraucht wird, als die Natur nachliefern kann. Professorin Petra Döll von der Uni Frankfurt kennt die Mechanismen genau. Sie sagt deutlich: „Das suggeriert, man könne sich davon erholen. Das ist nicht mehr der Fall.“

Warum Seen verschwinden – und wir es nicht mitbekommen

Denken Sie an den Aralsee: Jahrzehntelang für Baumwolle abgezweigt, heute eine Salzwüste. Das ist das Resultat extremer Übernutzung. Doch die Ursache ist komplexer als nur lokale Landwirtschaft. Der Klimawandel spielt mit hinein, aber auch unser Konsum.

Der stille Kill: 70 Prozent der Wasserfresser

Viele überschätzen, wo das meiste Wasser hingeht. Es ist nicht das Duschen oder die Toilettenspülung. Etwa 70 Prozent des weltweiten Süßwassers wird für die Landwirtschaft verbraucht. Und das ist der Knackpunkt, wenn wir über „virtuelles Wasser“ sprechen, das wir importieren.

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  • Wasser in der Hand: Bei Haushaltsnutzung gelangt das meiste Wasser (wenn auch verschmutzt) zurück an Flüsse.
  • Wasser in der Feld: Bei der Bewässerung verdunstet ein Großteil direkt in der Atmosphäre und ist lokal verloren.
  • Das Fleisch-Dilemma: Ein Kilo Fleisch benötigt im Schnitt das Zehnfache an Wasser wie ein Kilo Brot.

Was bedeutet das für uns in Deutschland? Wir kaufen Erdbeeren in Almeria, obwohl diese Region bereits Europas trockenste Anbauzone ist. Wir kaufen billige Baumwolle aus wasserarmen Regionen. Wir exportieren die Dürre im stillen Kämmerlein mit, während lokale Ökosysteme kollabieren.

Alarm in Deutschland: Kein Bankrott, aber eine verseuchte Zukunft

Droht Deutschland also auch der Wasserbankrott? Die Mengen sind laut Prof. Döll nicht das Problem. Wir bekommen immer noch genug Regen ab. Aber was sich unumkehrbar verändert hat, ist die Qualität.

Im Alltag merken Sie das vielleicht nicht sofort, aber die Fakten sind erschreckend. Unser Grundwasser und unsere Flüsse sind voll mit Dingen, die dort nicht hingehören:

  • PFAS (Ewigkeitschemikalien)
  • Arzneimittelrückstände
  • Mikroplastik

Alleine im Rhein schwimmen täglich Zehntausende Teile vorbei, die größer sind als Mikroplastik. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die saubere Gewässer vorschreibt, **ist hier praktisch gescheitert**. Wir können die Stoffe, die einmal drin sind, schlicht nicht mehr herausfiltern.

Der Mythos Klärwerk

Manche denken: Die neuen Kläranlagen werden alles richten. Falsch gedacht. Zwar helfen sie gegen Medikamente, aber sie sind keine Wunderwaffe. Zudem sickern Pestizide und Düngemittel von den Feldern direkt ins Grundwasser, das wiederum unsere Flüsse speist.

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Die Folge: Lebewesen, die das Wasser reinigen, sterben aus. Muscheln beispielsweise. Sinkt die Artenvielfalt, wird das gesamte Gewässersystem anfälliger für Algenblüten und Fischsterben.

Was Sie jetzt tun können (Ein realistischer Hack)

Wir können nicht erwarten, dass Peking oder Washington ihr Verhalten ändern. Aber wir können unser direktes Konsumverhalten hinterfragen. Der konkrete Lifehack, den Professor Döll indirekt vorschlägt, ist das Bewusstmachen des virtuellen Wasser-Fußabdrucks:

  1. Fleischreduktion: Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum bewusst. Der Wechsel von Fleisch zu pflanzlichen Alternativen spart tausende Liter Wasser pro Woche.
  2. Regionalität beim Obst: Meiden Sie im Winter importierte Früchte aus Trockengebieten (wie die erwähnten spanischen Erdbeeren im Winter). Kaufen Sie stattdessen saisonales deutsches Obst oder greifen Sie zu Tiefkühlware.
  3. Kleidung prüfen: Fragen Sie sich bei jedem neuen, billigen T-Shirt: Wie viel Wasser wurde in einem wasserarmen Land geopfert, damit ich es im Sale kaufe?

Wir müssen aufhören, die Probleme anderer durch unsere Ignoranz zu verstärken. Der Wandel beginnt mit der kritischen Frage vor dem Einkaufswagen.

Haben Sie beim Einkaufen jemals bewusst darauf geachtet, wie viel Wasser für Ihr Lieblingslebensmittel verbraucht wird? Und was denken Sie: Wird die Politik schnelle genug reagieren, um unsere eigenen Grundwasserreserven vor der totalen Kontamination zu schützen?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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