Du kennst das Gefühl: Dein Körper beginnt, dir nicht mehr zu gehorchen. Die Energie fehlt, kleine Wehwehchen werden zu täglichen Begleitern, und irgendwo tief drin sitzt die Angst vor dem, was kommt. Viele von uns verdrängen diese Realität und hoffen, dass „das Alter“ einfach ignoriert werden kann. Doch was wäre, wenn die größte Weisheit zum Umgang mit körperlichem Verfall nicht aus medizinischen Fachzeitschriften kommt, sondern von deiner eigenen Großmutter?
Ich stand an einem Punkt, an dem ich dachte, ich altere zu schnell. Dann wurde mir klar: Ich teile das Leiden meiner 95-jährigen Großmutter Neni. Was ich durch unsere Gespräche gelernt habe, hat meine Sicht auf Resilienz und das Akzeptieren von Grenzen komplett verändert. Und das musst du sofort wissen, bevor du dich wieder völlig überforderst.
Die schockierende Parallele: Ich sah mich in ihrer Erschöpfung
Neni lebt allein in ihrem Haus, das sie mit Mitte 50 kaufte. Sie ist 95, hat Hüftschmerzen, kämpft mit Schlaf und die Knöchel sind oft geschwollen. Trotzdem arbeitet sie ihre To-do-Liste ab: Böden schrubben, Backen, sich in der Eigentümerversammlung einmischen. Sie ist unermüdlich und gleichzeitig völlig ausgelaugt.

Als ich das zum ersten Mal wirklich verstand, musste ich tief Luft holen. Denn ich kenne das: Ich bin 55 Jahre jünger, aber laufe gegen dieselben Mauern. Sie hat Blutarmut wegen Knochenmarkproblemen, ich wegen ähnlicher Ursachen. Wir teilen Allergien, Immundefekte und sogar Krebsgene. Plötzlich war es nicht mehr nur „ihr Problem“ mit dem Alter, sondern unseres.
Die Identitätskrise, die uns verband
Wenn du deinen Körper nicht mehr wie früher kontrollieren kannst, bricht ein Teil deiner Identität weg. Neni erkennt sich im Spiegel nicht wieder, weil die Kleidung nicht mehr passt und das „Wollen“ das „Können“ nicht mehr erreicht. Das ist schmerzhaft und wird oft verschwiegen.
Wir sind unwahrscheinliche Gefährtinnen geworden, verbunden durch die Körper, die uns verraten. Dieses Wissen schafft eine Vertrautheit, die tiefer geht als jede Freundschaft. Wir reden offen über Probleme, über die man sonst peinlich berührt schweigt – von Inkontinenz bis zu hartnäckigem Juckreiz.
Der Trick der 95-Jährigen: Wann Aufgeben kein Versagen ist
Viele von uns, gerade in Deutschland, sind gepolt auf ewige Leistung. Ruhe gleich Faulheit. Neni war so erzogen. Durchhalten und Schmerz unter den Teppich kehren, das war ihr Überlebensmodus als Immigrantin.

Doch der Körper stellt irgendwann das Ultimatum. Unsere wichtigste Lektion war, uns selbst zu dosieren. Stell dir deinen Energiehaushalt wie das Guthaben auf deinem Handy vor: Wenn du es überziehst, verlierst du den ganzen Tag. Neni hat gelernt, dass ein Schläfchen am Nachmittag keine Schande, sondern eine strategische Energiequelle ist.
- Energiepuffer schaffen: Plane bewusst Pausen ein, bevor die Erschöpfung zuschlägt.
- Das Unveränderliche akzeptieren: Manche Dinge brauchen Zeit – wie Ninis Pflanzen, die nach ihrem eigenen Rhythmus blühen.
- Kleine Siege feiern: Jeden Morgen das Bett fusselfrei machen – das ist Kontrolle in einer Welt, die chaotisch scheint.
Das Gegenteil von Angst ist Ritual
Wenn die Zukunft ungewiss scheint – sei es gesundheitlich oder beruflich – greifen wir nach dem, was Halt gibt. Neni hat mir gezeigt, dass das größte Vermächtnis nicht der Kontostand ist, sondern die Schaffung von persönlichem Trost und Ordnung.
Sie erinnert mich daran, dass es Stolz bedeutet, das eigene Zuhause zu ordnen. Das sind kleine Akte des Überlebens: ein sauberes Glas, ein Ritual am Morgen, das Einhalten eines Rezepts. Diese kleinen Routinen geben dir die Kontrolle zurück, wenn das große Ganze wackelt.
Was hat dich gelehrt, langsamer zu machen, bevor es dein Körper tat? Teile deine wichtigste Lektion deiner älteren Verwandten in den Kommentaren!









