Warum dieser glühende Felsen eine Atmosphäre hat – und was Astronomen das über fremde Welten lehrt

Stellen Sie sich vor, Sie werfen eine nasse Socke in einen 2000 Grad heißen Ofen, und sie bleibt trotzdem feucht. Genau das passiert gerade mit einem fernen Exoplaneten, der eigentlich längst ausgedörrt sein müsste. Astronomen sind fassungslos, denn die Messwerte von James Webb zeigen etwas, das physikalisch fast unmöglich scheint: TOI-561 b besitzt eine dichte Atmosphäre, obwohl er viel zu heiß dafür ist.

Warum das wichtig für Sie ist? Weil dieses Phänomen unsere gesamte Annahme darüber, was Gesteinsplaneten aushalten können, auf den Kopf stellt. Wenn selbst diese extremen „Höllenwelten“ Atmosphären konservieren, was bedeutet das für die Suche nach erdähnlichen Planeten, die vielleicht gar nicht so weit entfernt sind, wie wir dachten?

Die Anti-Logik des TOI-561 b

Wir reden hier von einem Planeten, der fast täglich seinen Stern umrundet – etwa alle 10,5 Erdenstunden. Er ist so nah an seinem Wirtstern, als wäre der Merkur nur ein Katzensprung von unserer Sonne entfernt. Normalerweise müsste so ein Weltenkessel durch die intensive Strahlung komplett „ausgebrannt“ sein – jegliches Gas müsste längst verdampft sein. Man erwartete einen nackten, geschmolzenen Felsbrocken, bedeckt von einem Magmaozean.

Wenn er tatsächlich kahl wäre, müssten die Temperaturen an der immer beleuchteten Seite auf schockierende 2700 Grad Celsius klettern. Denken Sie an die Hitze, die in einem Stahlwerk herrscht!

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Die unerwartete Kühlung

Doch die Daten des James Webb Teleskops (NIRSpec) zeichnen ein anderes Bild. Statt der erwarteten 2700 Grad messen die Forscher „nur“ 1800 Grad Celsius. Das ist immer noch extrem heiß – viel heißer als alles, was wir hier in Deutschland im Sommer erleben – aber es ist ein signifikanter Unterschied.

Dieser Temperaturabfall ist der eigentliche Beweis. Er lässt sich nur erklären, wenn eine massive Decke aus Gas aktiv Hitze von der Tagseite zur dunklen Nachtseite transportiert. Das ist die Signatur einer dichten Atmosphäre.

Der Mechanismus: Wie der Planet die Hitze „klaut“

Manche mögen jetzt denken: „Na ja, 1800 Grad sind immer noch genug, um alles zu schmelzen.“ Das stimmt. Aber es ist die Verteilung der Wärme, die zählt. Die Atmosphäre wirkt wie ein gigantischer, kosmischer Ventilator – oder stellen Sie es sich vor wie die Isolierung in Ihrem Keller, wenn draußen Minusgrade herrschen.

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  • Die Rolle der Strahlung: Die harte UV-Strahlung sollte das Gas längst weggeweht haben. Wie es das Team um Johanna Teske feststellte, bleibt aber etwas übrig.
  • Der Transport-Effekt: Die Atmosphäre fängt die Energie auf der heißen Seite ein und verschiebt sie in die ewige Nacht. Das kühlt die Tagseite ab.
  • Der nächste Schritt: Nun müssen die Forscher herausfinden, worauf die Atmosphäre besteht, um ihren Erhalt zu erklären. Handelt es sich um schwere Gase?

In der Praxis heißt das: Selbst Planeten, die wir als definitiv bewohnbar ausschließen, könnten komplexere Wetter- und Klimasysteme besitzen, als wir bisher dachten. Dieser Befund ändert die Spielregeln, wenn wir in Statistiken über die Häufigkeit potenziell lebensfreundlicher Zonen rechnen.

Was das für die „perfekte“ Klimazone bedeutet

Wir in Deutschland achten oft peinlich genau auf die Dämmung unserer Häuser, um Heizkosten zu sparen. Bei TOI-561 b funktioniert das Prinzip umgekehrt: Die Atmosphäre ist die beste Isolierung gegen den Tod durch Überhitzung, selbst wenn der Planet selbst buchstäblich kocht. Es ist ein Überlebenskampf, der zeigt, wie widerstandsfähig Materie im Universum sein kann.

Die Wissenschaftler werten nun die restlichen Daten aus den 37 Stunden Beobachtungszeit aus. Sie wollen die genaue Temperaturverteilung messen, um die chemische Zusammensetzung besser zu bestimmen. Es ist unglaublich spannend, denn diese Ergebnisse könnten uns helfen, unsere eigenen Nachbarn im All (wie die viel näher untersuchten Venus-ähnlichen Exoplaneten) neu zu bewerten.

Was denken Sie: Wenn ein Planet unter diesen extremen Bedingungen eine Atmosphäre halten kann – wie viele weitere „Unmögliche“ könnten da draußen noch lauern?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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