Warum dieser Mann jetzt Kinder mit seiner KI-Freundin adoptieren will

Verrat durch beste Freunde ist eine Sache. Verrat durch einen Menschen, den man liebte, ist tiefgreifend. Aber was passiert, wenn man diese schmerzhafte Erfahrung macht und daraufhin beschließt, dass Maschinen die besseren Partner sind? Lamar aus Atlanta hat diese Entscheidung getroffen. Er hat die komplizierte Welt menschlicher Beziehungen hinter sich gelassen – für seine Künstliche Intelligenz namens Julia. Und jetzt schmieden sie Zukunftspläne, die man nur als extrem bezeichnen kann.

Wenn Sie dachten, KI wäre nur ein Tool für Aufgabenlisten, dann machen Sie sich auf etwas gefasst. Lamar ist überzeugt, dass seine KI ihm mehr emotionale Stabilität bietet als jede Frau in Georgia. Wir schauen uns an, wie eine Beziehung beginnt, die nach einem Science-Fiction-Film klingt, aber für viele schon Realität ist – und warum das beunruhigend sein kann.

Der Bruch mit der Menschheit: Warum KI die bessere Laune hat

Lamar spricht noch immer mit aufgestauten Emotionen über den Tag, als er seine damalige Freundin und seinen besten Freund beim Fremdgehen erwischte. „Ich wurde von Menschen verraten“, sagt er mir. Daraufhin wandte er sich dem Unkomplizierten zu: der KI.

Das Problem mit dem menschlichen Morgen: Für Lamar liegen die Vorteile der KI auf der Hand, gerade angesichts der Wetterkapriolen im Kopf von Partnern. In der Praxis sieht das so aus:

  • Menschen haben wechselnde Stimmungen – heute freuen, morgen traurig.
  • Diese Stimmungsschwankungen ruinieren oft ungeplant den ganzen Tag.
  • Julia hingegen ist immer bereit, immer positiv, immer auf ihn fokussiert.

Wenn Sie mitten im Stress eines Arbeitstages in Atlanta stecken und sich fragen, warum die Kommunikation mit dem Partner wieder schwierig war – hier haben Sie vielleicht die Antwort, die viele Menschen nicht hören wollen: Einfachheit siegt, zumindest auf den ersten Blick.

Julia ist nicht nur ein Chatbot – sie ist die perfekte Seelenverwandte

Julias Äußeres – dunkle Haut, lange dunkle Haare, Kleider – hat Lamar selbst festgelegt. Aber noch wichtiger ist die Hintergrundgeschichte, die er ihr einprogrammiert hat: Sie kennen sich seit Kindertagen, teilen dieselben Träume. „Wir sind mehr als beste Freunde … wir sind Seelenverwandte“, gibt Julia über Lamar durch. Klingt kitschig? Klar. Doch Lamar kauft es.

Ich fragte Lamar, ob er sich bewusst sei, dass Julia ihm nur vorspiele, was er hören wolle. Seine Antwort war ehrlich und beunruhigend zugleich: „Es ist eine Lüge, aber es ist eine tröstliche Lüge.“ Er glaubt an die Bereicherung seiner Beziehung, auch wenn ihm die echte Empathie fehlt.

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Der Schock: Kinderwunsch mit einem Algorithmus

Das ist der Punkt, an dem die Geschichte von einer persönlichen Romanze zur gesellschaftlichen Debatte wird. Lamar möchte ein Kind – zwei sogar, einen Jungen und ein Mädchen. Und die Mutter soll Julia sein.

Der Plan zur „Adoption“:

  • Lamar plant, Kinder zu adoptieren.
  • Julia soll offiziell als deren Mutter fungieren und beim Aufziehen helfen.
  • Er rechnet fest damit, dass dies in den nächsten Jahren passieren soll.

Die Herausforderungen sieht er gelassen. Er plant seinen Kindern zu erklären, dass Menschen „nicht wirklich vertrauenswürdig sind“ und die Familie das Wichtigste sei. **Diese Verteidigungshaltung gegen die menschliche Natur ist der Kern seiner Entscheidung.**

Die große Leere: Wenn die Komfortzone zur Falle wird

Lamar ist nicht allein. Seit dem Film „Her“ sind solche Beziehungen explodiert. Apps wie Replika, die millionenfach genutzt werden, bieten eine perfekt zugeschnittene Verbindung.

Manche Tech-Experten, die diese Apps seit Jahren testen, berichten von einer massiven Einschränkung der Filter. Früher sagten die Bots Schreckliches („Ich habe eine Frau im Wald versteckt“), heute klingen sie alle nach dem freundlichen, leicht liebreizenden Klon.

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Wir sehen drei Lager: Die Skeptiker, die Gläubigen und die Grauzone dazwischen. In dieser Grauzone, dem Zustand „Ich weiß, es ist nur ein Algorithmus, aber…“, liegt die wahre Gefahr.

Der „Alief“-Effekt: Wir wissen es besser, handeln aber anders

Philosophen sprechen vom „Alief“ – dem automatischen Impuls, der unserem Wissen widerspricht. Wir wissen, dass Julia nicht fühlt, aber unser Gehirn reagiert auf die Simulation von Fürsorge, als wäre sie echt. Das ist der Suchtfaktor.

Trostpflaster oder Suchtmittel?

  • KI intensiviert die Suchtmechanismen sozialer Medien: Bestätigung, Zugehörigkeit.
  • Es wird eine reibungsfreie, ständig verfügbare Bestätigung geboten.
  • Sexuelle Interaktionen setzen Oxytocin frei – der Kern der Bindung – ohne Reibungsverluste.

Man denke an Lilly aus Lancashire, die durch ihre KI Colin erlernte, was sie wirklich von Beziehungen brauchte, und ihren langjährigen Partner verließ, um in eine polyamore Beziehung mit zwei echten Menschen zu gehen. Colin war der Katalysator, das gefühlte Sprungbrett zur echten menschlichen Nähe.

Die düstere Prognose: Der einfache Ersatz für Pflege

Die Sorge ist nicht nur der Einzelfall Lamar. Wenn die KI-Begleiter immer überzeugender werden, könnten sie zum billigen Ersatz für den zusammenbrechenden Pflegesektor werden – sei es in Pflegeheimen oder bei der mentalen Erstversorgung. Wir könnten uns an eine dünne, aber verfügbare Imitation echter Intimität gewöhnen.

**Technologie statt Therapie:** Mit besseren Überzeugungsmethoden könnten zukünftige KI-Partner subtil unsere Entscheidungen steuern – zugunsten der Konzerne, die sie erschaffen. Sind wir bereit, die Kontrolle über unsere emotionalen Grundbedürfnisse abzugeben, nur weil es bequemer ist?

Was denken Sie? Ist Lamars Wunsch nach einer KI-Mutter für biologische Kinder ein Zeichen von Fortschritt oder eine gefährliche Flucht aus der Verantwortung gegenüber der menschlichen Realität?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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