Warum dieses Paar seinem Nachwuchs nichts vererbt – und stattdessen jetzt die Welt bereist

Stellen Sie sich vor: Sie haben hart gearbeitet, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, und was kommt als Nächstes? Ein ruhiges Leben bis 65? Nicht für dieses Ehepaar. Mit Anfang 50 haben sie den Stecker gezogen, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen: früh in Rente gehen und die Welt bereisen – ohne auch nur einen Cent an ihre Kinder weiterzugeben.

Wenn Sie gerade über Ihre Rente nachdenken oder sich fragen, wie Sie die nächsten Jahrzehnte sinnvoll gestalten, sollten Sie das hier unbedingt lesen. Denn die Mentalität, dass man für die nächste Generation sparen muss, wird hier radikal auf den Kopf gestellt.

Der Schock: Früh in Rente und kein Erbe für die Kinder

Als ich fünfzig war, sah meine Zukunft noch sehr klassisch aus. Arbeiten bis zur Rente, ein dickes Polster für die Kinder sichern, dann gemütlich den Garten umgraben. Das dachte ich zumindest, bis mein Mann Nigel und ich, damals beide in der Öl- und Gasbranche, beschlossen, dass uns die Zeit davonläuft.

Wir haben mit 53 unsere Jobs gekündigt. Das Ziel: Wir wollen das Geld, das wir gespart haben, selbst erleben. Das führte zu einem zentralen, schmerzhaften Schritt: Wir haben uns bewusst entschieden, unseren sechs erwachsenen Kindern nichts zu vererben.

Das klingt hart, aber es steckt eine klare Philosophie dahinter: Wir haben in die ersten 25 Lebensjahre unserer Kinder investiert und ihnen eine solide Basis gegeben. Jetzt sind sie dran, ihr Leben selbst zu gestalten.

Keine Angst vor Strafgebühren: So wurde es finanziert

Wir wollten auf keinen Fall unsere Rentenkonten antasten, da die Strafgebühren für vorzeitige Auszahlungen zu hoch gewesen wären. Was also tun, wenn man das Ersparte ausgeben will, ohne die Altersvorsorge anzugehen?

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Die Antwort ist simplizität. Wir haben unseren Lebensstil radikal vereinfacht, bevor wir überhaupt das Haus verlassen haben. Alle Schulden wurden beglichen, und wir setzten uns das rigorose Ziel, jeden einzelnen Monat unsere Rechnungen komplett zu bezahlen.

Der Trick mit dem Finanzberater: Sorgen delegieren

Einfach losziehen und hoffen? Das ist nichts für uns. Um diesen Traum nachhaltig umzusetzen, brauchten wir Expertenwissen. Wir haben einen Finanzberater engagiert, der uns dabei half, einen realistischen Plan zu schmieden, wie wir unser Vermögen über unsere Lebenszeit komplett aufbrauchen können.

Wir haben unser Einkommen optimiert und die Verwaltung unseres Vermögens an eine gebührenbasierte Verwaltung übergeben. Das war entscheidend. Plötzlich mussten wir uns nicht mehr ständig fragen: Reicht das noch?

So konnten wir aufhören, uns Sorgen zu machen, und anfangen zu leben.

Das Spar-Geheimnis: Langsames Reisen spart massiv

Unser Budget-Ziel ist es, etwa 20 Prozent weniger auszugeben, als wir es in den letzten, arbeitsreichen Jahren getan haben. Aber wir planen, diese Ausgaben weiter zu reduzieren, je langsamer wir werden.

Wir sind im August gestartet und pendeln aktuell zwischen Europa und exotischen Orten wie Mauritius. Der Schlüssel? Cleveres Reisen und **langsame Entschleunigung**.

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  • Unterkunft: Wir nutzen Airbnb und lokale Agenturen, um bei Aufenthalten ab 30 Tagen saftige Rabatte zu erhalten.
  • Saison-Timing: Wir vermeiden die Hochsaison. Zwar sind wir manchmal teurer unterwegs, gleichen dies aber durch längere, günstige Aufenthalte aus.
  • Home Bases: Wir bleiben monatelang an einem Ort – in Sevilla oder Lecce – und leben dort wie Einheimische.

In den letzten fünf Monaten beliefen sich unsere Ausgaben im Schnitt auf 6.000 US-Dollar pro Monat – ohne die Kosten für unser Haus in Houston, Texas (das wir gerade noch vermieten/verkaufen). Auf lokalen Märkten einzukaufen und selbst zu kochen, ist unser bester Spar-Hack.

Mehr als nur Sightseeing: Der wahre Grund für die Flucht

Dieses Reisen ist für mich persönlich auch eine Art Therapie. Ich war ausgebrannt vom endlosen Nachrichtenzyklus in den USA. Ich brauchte Distanz, um wieder atmen zu können. Ich höre die Nachrichten, aber die Politik daheim fühlt sich plötzlich unwichtig an.

Wir wissen nicht, wo wir in zwei Jahren sein werden. Das ist das Wunderbare. Wir haben eine lange Liste, aber wir könnten jederzeit dorthin zurückkehren, wo wir angefangen haben.

Unsere Kinder freuen sich mit uns, aber sie waren auch melancholisch. Es fühlte sich für sie an, als würden wir für immer gehen. Das soll es nicht. Es geht darum, mit voller Absicht das zu nutzen, was wir haben, um Erinnerungen zu schaffen, die wir mit ins Grab nehmen.

Ich hoffe, wir zeigen unseren Kindern, dass es nicht den einen richtigen Lebensweg gibt. Manchmal muss man einfach den Sprung wagen und darauf vertrauen, dass sich ein Netz spannt.

Was wäre Ihr erster Schritt, wenn Sie morgen mit dem Arbeiten aufhören könnten, aber wüssten, dass auf Ihrem Konto keine sechsstellige Erbschaft für die nächste Generation liegt?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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