Haben wir in Sachen Gleichberechtigung wirklich einen Rückschritt erlebt? Eine aktuelle, globale Umfrage liefert beunruhigende Zahlen, besonders bei der Generation Z. Viele junge Männer scheinen sich unbewusst nach alten, starren Machtstrukturen in der Beziehung zurückzusehnen – und das widerspricht dem, was wir hierzulande oft glauben, dass junge Leute denken. Wenn Sie dachten, das Thema sei abgehakt, lesen Sie weiter. Was hier auf dem Spiel steht, ist mehr als nur ein Meinungsunterschied.
Die Schock-Statistik: Gehorsam statt Partnerschaft
Die Ergebnisse der Ipsos-Studie, die 29 Länder umfasste, sind ernüchternd. Während wir hier in Deutschland oft glauben, wir seien beim Thema Gleichstellung schon weit vorn, blicken die Daten auf eine tiefere Wahrheit. Gerade junge Männer (Gen Z) zeigen erstaunlich konservative Haltungen zu Rollenbildern.
31 Prozent fordern Gehorsam
Die krasse Zahl: Knapp jeder dritte junge Mann (31 %) ist überzeugt, dass eine Ehefrau stets ihrem Ehemann gehorchen sollte. Bei den jungen Frauen liegt dieser Wert nur bei 18 Prozent. Das ist kein kleiner Unterschied, das ist ein Graben.
Was mich daran fasziniert: Vergleichen wir das mit den Babyboomern, fällt auf, dass die Elterngeneration diese starre Forderung seltener stellt! Das Gefühl der Unsicherheit scheint die Jungen in alte Muster zu treiben.

Wenn die Rolle des Mannes kriselt: Die Diskriminierungsfalle
Die Studie zeigt nicht nur, was junge Männer von Frauen erwarten, sondern auch, was sie von sich selbst fühlen. Viele empfinden heute Druck durch die neuen Freiheiten.
- 57 Prozent der Gen-Z-Männer glauben, dass Männer mittlerweile diskriminiert werden, weil die Gleichstellung zu weit vorangetrieben wurde.
- Fast ein Drittel (29 %) sieht Probleme, wenn die Frau finanziell erfolgreicher ist als der Mann.
In meiner Praxis sehe ich oft, wie dieser gesellschaftliche Wandel als Bedrohung wahrgenommen wird. Es ist, als hätten viele junge Männer das Gefühl, ihre traditionelle Rolle als Alleinversorger sei ihnen weggenommen worden, ohne dass ein klares, neues männliches Ideal an die Stelle getreten wäre.
Deutschland: Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Hier kommt der Lichtblick – aber mit einem großen Aber. Wenn es um die eigene Beziehung geht, ticken die Deutschen (zumindest laut dieser Umfrage) liberaler als der globale Durchschnitt. Nur 10 Prozent der jungen deutschen Männer glauben, dass Frauen davon profitieren, wenn Männer an starren Rollen festhalten.
Die Mehrheit befürwortet eine faire Teilung:

- 77 % erwarten gleiche Verantwortung bei der Hausarbeit.
- 75 % sehen beide Partner in der Pflicht beim Geldverdienen.
Und das ist der Punkt, der mich wirklich nachdenklich macht: Persönliche Überzeugung ist das eine, die gefühlte gesellschaftliche Erwartung das andere. Viele hierzulande glauben, dass die Gesellschaft von Frauen erwartet, sich um Kinder und Haushalt zu kümmern (bis zu 44 %), obwohl sie es selbst anders sehen (15 % sagen das als persönliche Überzeugung).
Praxistipp: Brechen Sie mit der Schein-Erwartung
Wenn Sie sich in einer Beziehung befinden, in der einer von Ihnen das Gefühl hat, starre Vorgaben erfüllen zu müssen, sprechen Sie über die Lücke zwischen Ihrer Überzeugung und der gefühlten Erwartung der Außenwelt. Viele Konflikte entstehen nicht durch mangelnde Liebe, sondern durch den Druck, einer Norm zu entsprechen, die keiner von Ihnen wirklich will.
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit. Listen Sie auf, was Sie wirklich für richtig halten, und vergleichen Sie das mit dem, was Sie glauben, dass Ihr Nachbar oder Ihr Chef von Ihnen erwartet. Oftmals ist die größte Last die, die wir uns selbst aufbürden, weil wir glauben, die „anderen“ schauen zu.
Was denken Sie: Ist dieser Rückgriff auf traditionelle Rollenbilder bei jungen Männern wirklich nur eine Reaktion auf Unsicherheit, oder sehen wir hier eine echte kulturelle Wende? Teilen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren mit!









