Warum Ihr Chef bei einem „Muskelkater-Schein“ sofort misstrauisch wird

Haben Sie sich jemals gefragt, was Ärzte wirklich denken, wenn Sie mit einer einfachen Erkältung oder einem steifen Nacken in die Praxis kommen? Viele von uns gehen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, nur um nicht als „schwache“ Mitarbeiter dazustehen. Aber ich habe mit einer erfahrenen Hausärztin gesprochen, und was sie über die wahren Gründe für die steigende Zahl an Krankmeldungen erzählt, wird Ihr Bild vom „gelben Schein“ komplett auf den Kopf stellen. Es geht viel seltener um Faulheit, als Sie glauben.

Der Schock-Faktor: 7 Krankschreibungen bei 25 Patienten

In einer belebten Praxis in Friedberg, Hessen, ist Dr. Katja Wagenführer seit 15 Jahren im Einsatz. Allein bis Mittag sah sie 25 Patienten – sieben davon schrieb sie krank. Das ist eine hohe Quote, und sie betont: Sie stellt den Schein nicht reflexartig aus. Oftmals ist es nicht die akute Grippe, die die Menschen antreibt, sondern ein viel tiefer liegender Schmerz.

Der verborgene Feind: Wenn der Körper Psychoterror quittiert

Frau Dr. Wagenführer wird täglich mit Patienten konfrontiert, die körperliche Symptome zeigen, aber deren Ursprung im Kopf liegt. Pfeifen im Ohr, Schlafstörungen oder hartnäckige Spannungskopfschmerzen sind oft die körperlichen Manifestationen von chronischem Stress.

„Nicht selten fangen Menschen dann an zu weinen,“ erzählt sie. Ihre Reaktion? Sie lässt es zu und bestärkt die Patienten darin, den aufgestauten Druck endlich rauszulassen. Es ist ein Alarmsignal: Der Körper spricht, wenn die Psyche überlastet ist.

Warum Ihr Chef bei einem

Drei Fragen, die den wahren Zustand offenbaren

Um Depressionen auf die Spur zu kommen, die sich hinter körperlichen Beschwerden tarnen, nutzt die Ärztin fünf Standardfragen. Wenn Sie sich in diesen Punkten wiedererkennen, sollten Sie einen Gang runterschalten:

  • Besteht seit mehr als 14 Tagen eine anhaltende Traurigkeit?
  • Haben Sie Schlafstörungen oder Appetitveränderungen?
  • Fühlen Sie sich antriebslos und ziehen sich sozial zurück?

Wenn die Antwort auf diese Fragen „Ja“ lautet, ist die Krankschreibung oft der einzige Weg, die nötige Reißleine zu ziehen, bevor der Burnout komplett zuschlägt.

Das Märchen von der faulen Gen Z

Vergessen Sie das Klischee, dass junge Menschen einfach nur zu faul sind. Dr. Wagenführer sieht das völlig anders. Die junge Generation sieht ihren Körper und ihre Psyche bewusster und nimmt Hilfe schneller in Anspruch. Das ist kein Zeichen von Faulheit, sondern von **gesunder Selbstwahrnehmung**.

Aber hier liegt die Kehrseite der Medaille: Das System arbeitet gegen diese Selbstfürsorge. Zu wenig Personal in Pflege und Schulen, Überstunden, ständige Erreichbarkeit – die Ressourcen der Arbeitnehmer sind aufgebraucht. Die Krankschreibung wird so weniger zum Ausweg, als zur notwendigen Reparaturpause für ausgebrannte Systeme.

Der seltsame Fall: Muskelkater als Kündigungsgrund?

Natürlich gibt es auch schwarze Schafe. Die Ärztin schätzt, dass etwa zwei Prozent das System ausnutzen. Ein aktuelles Beispiel: Ein 19-Jähriger kam neulich mit starkem Muskelkater nach einem Fußballspiel und verlangte eine Krankschreibung. Ihre Antwort war direkt: „Muskelkater ist kein Grund für eine Krankschreibung. Das ist unfair.“

Warum Ihr Chef bei einem

Hier setzt Erziehungsarbeit an. Denn die meisten Mitarbeiter, die früh am Montag in die Praxis kommen, wollen eigentlich nur eines beweisen: Dass sie wirklich krank sind und nicht einfach nur faul.

Praktischer Tipp: Die Vier Säulen gegen den Alltagsstress

Was hilft wirklich, wenn die Welt zu viel wird? Weg von der Überdosis Arbeit hin zu echten Gegenmitteln. Dr. Wagenführer nennt vier unverzichtbare Säulen, die jeder sofort umsetzen kann, um nicht auf der Intensivstation der Seele zu landen:

  1. Bewegung: Setzt Glückshormone frei und hilft beim Abschalten.
  2. Schlaf: Chronischer Schlafmangel ist Gift für die Stressresistenz.
  3. Ernährung: Der Darm und die Psyche hängen viel enger zusammen, als Sie denken. Nährstoffreich essen!
  4. Sprechen: Sorgen im Gespräch abzuladen, entlastet massiv.

Die Zunahme an Krankmeldungen ist somit ein Symptom einer erschöpften Gesellschaft, die nur deshalb zum Arzt geht, weil die Rahmenbedingungen in Jobs und Alltag einfach nicht mehr passen. Wir haben zwar bessere Kenntnisse über unsere Gesundheit, aber das System bietet kaum Raum, diese Erkenntnisse umzusetzen.

Was denken Sie: Gehen Sie lieber mit einem mulmigen Gefühl arbeiten oder riskieren Sie lieber eine kurze Krankschreibung, um wieder voll leistungsfähig zu sein? Diskutieren Sie mit!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

Artikel: 1367

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert