Sie glauben, Sie treffen rationale Entscheidungen beim Online-Shopping oder beim Wählen? Falsch gedacht. Ihre Vorliebe für stark gesalzene Chips oder das unkontrollierbare Scrollen durch Social Media hat nichts mit modernem Geschmack zu tun – es ist reines Überlebenstraining aus der Steinzeit. Wir sind evolutionär programmiert, und das wird seitens Tech-Konzerne und Populisten gnadenlos ausgenutzt. Wer das versteht, kann seine Impulse besser kontrollieren.
Evolution ist Ihr heimlicher Chef: Was Ihr Körper noch vom Mammutjäger kennt
Überraschend viele unserer sogenannten „Bauchgefühle“ sind keine mystische Intuition. Es sind tief verankerte, genetische Programme. Der Biopsychologe Peter Walschburger nennt es klar: Viele unserer heutigen Verhaltensweisen basieren auf Instinkten. Wir reden hier nicht über Kultur oder Erziehung, sondern über den Code in unseren Genen.
Süß, Fett, Salz: Der Trick, der Sie in den Supermarkt treibt
Erinnern Sie sich, als Sie das erste Mal schwarzen Kaffee probiert haben? Wahrscheinlich eine Zumutung. Aber jetzt? Ein Muss. Lars Penke, Biopsychologe, erklärt, dass unser Verlangen nach süßen, fettigen und salzigen Speisen direkt aus einer Mangelwirtschaft stammt. In der Evolution war Fett Gold wert.
Heute sind unsere Supermärkte eine Falle. Die Lebensmittelindustrie weiß genau, dass diese Urpräferenzen sofort zünden. Produkte, die doppelt so süß oder salzig sind wie nötig, treffen direkt unser Belohnungszentrum.

- Evolutionäre Logik: Kalorien sparen war überlebenswichtig.
- Moderne Realität: Wir kaufen Kalorien im Überfluss (Stichwort: Diabetes Typ 2).
- Wussten Sie, dass Bitterstoffe oft erst „erlernt“ werden müssen?
Wenn Algorithmen auf Ihre Angst abzielen
Warum können Sie Instagram oder TikTok nicht einfach weglegen? Weil diese Apps die gleichen Mechanismen bedienen, die früher unsere Sicherheit bestimmten: Status, Zugehörigkeit und Neugier.
Vor allem aber nutzen Populisten diese älteren Systeme rücksichtslos aus. Sie umgehen die rationale Denkebene komplett. Stattdessen sprechen sie direkt Wut, Angst und das Bedürfnis nach einer starken Gruppe an.
Wir Menschen sind darauf programmiert, schnell zu reagieren, wenn Gefahr droht. Populisten liefern uns ein Feindbild – und schon feuert unser primitives Gehirn Emotionen ab, die rationale Argumente einfach überlagern.
Das ist das Problem: Unsere Biologie ist für die Savanne optimiert, unsere Welt ist digital und schnell. Diese Asymmetrie macht uns anfällig.

Der Ausweg: Wie Sie die Kontrolle zurückholen – ohne Ihre Gene zu ändern
Die gute Nachricht: Wir sind keine willenlosen Zombies. Wir können mit unseren Instinkten umgehen. Kultur und Vernunft sind nicht das Gegenteil unserer Biologie, sie bauen darauf auf – wie die Blüte auf der Wurzel.
Der Schlüssel liegt darin, die Programme zu erkennen. Wenn Sie spüren, dass Sie impulsiv auf einen wütenden Kommentar reagieren oder wieder zu viel Schokolade kaufen, halten Sie inne.
Achtsamkeit und Reflexion sind Ihr Trainingslager. Sie können lernen, Wut zu kanalisieren und Impulse zu verzögern. Das ist es, was uns evolutionär von Tieren unterscheidet: Wir können mental in die Zukunft „reisen“ und unser Handeln planen.
- Stopp-Regel: Bei starker Emotion kurz innehalten (3 Sekunden reichen oft).
- Hinterfragen: Ist diese Angst/Begierde wirklich eine aktuelle Bedrohung oder ein alter Code?
- Meditation/Fokusübungen helfen, die Kontrolle über die Reaktion zu festigen.
Wir werden unsere Urinstinkte nie los. Aber wir können lernen, als Kapitän an Bord zu bleiben, statt der Mannschaft (den Instinkten) blind zu folgen. Das gilt für Ihre Essgewohnheiten genauso wie für die Nachrichten, die Sie konsumieren.
Was ist der eine moderne Konsum-Impuls, bei dem Sie immer wieder merken, dass Ihr „Höhlenmensch-Gehirn“ die Kontrolle übernimmt?









