Warum Mütter, die egoistisch reisen, bessere Eltern sind: Mein Japan-Geheimnis

Sie haben sicher schon gehört, dass gute Mütter immer verfügbar sein müssen. Ständig. Nie Zeit für sich. Ich habe diese Regel gebrochen – und zwar radikal. Zum zweiten Mal in Folge habe ich meine Kinder für zwei Wochen zurückgelassen und bin alleine nach Japan geflogen.

Dieses Vorgehen mag auf den ersten Blick egoistisch klingen. Aber in meiner Praxis als viel beschäftigte Mutter ist diese Auszeit keine reine Belohnung, sondern eine absolute Notwendigkeit geworden. Wer im Alltagstrubel (Einkaufen, Kochen, Planung, Aufsicht – selbst nachts) immer nur verfügbar ist, brennt aus. Und glaub mir: Ein ausgebrannter Elternteil ist kein guter Elternteil.

Die Falle der ständigen Verfügbarkeit

Viele Mütter geraten in diesen Strudel. Man hat zwar kleine Lücken, wenn die Kinder in der Schule sind, aber selbst dann wartet der Stapel Wäsche oder die nächste E-Mail. Man ist immer in Bereitschaft, immer auf Empfang gestellt.

Ich merkte: Um wirklich abzuschalten, musste ich die geografische Distanz nutzen. Weit weg von allen Routinen, weit weg von der deutschen Hektik, auf der anderen Seite der Welt.

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Warum musste es zwingend Japan sein?

Für mich als Introvertierte war der Ort entscheidend. Ich brauchte eine Umgebung, in der Stille und Ordnung nicht als soziale Peinlichkeit gelten, sondern als selbstverständlich. Japan liefert das perfekt.

  • Pünktlichkeit und Funktionalität: Diese Ruhe im System ist Balsam für mein überreiztes Nervensystem.
  • Kultur-Immersion: Als Sprachschülerin (die Japanisch lernt) bin ich gezwungen, aktiv und neugierig zu sein – nicht nur reaktiv.
  • Die perfekte Balance: Zwei Wochen sind mein Limit. Länger fühlt sich falsch an, aber kurz genug, um das Aufladen zu maximieren, bevor die Rückkehr ansteht.

Der wichtigste Unterschied: In den heimischen Alltagstrott eingebunden zu sein, erzeugt Druck. In Tokio oder Kyoto bin ich nur Entdeckerin und Schülerin. Mein Fokus liegt auf der *Begegnung*, nicht auf dem *Organisieren*.

Das unerwartete Geschenk an meine Kinder

Wir predigen unseren Kindern oft Kooperation und Selbstfürsorge vor. Wenn ich meine Selbstfürsorge ignoriere, lebe ich das genaue Gegenteil vor. Mein Co-Elternteil unterstützt das vollkommen – wir wechseln uns ab.

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Viele denken, Elternsein bedeutet, die eigene Identität komplett abzulegen. Falsch. Die Frau, die ich vor den Kindern war – die Reisende, die Neugierige – die muss ich pflegen, damit ich die beste Version meiner selbst für meine Familie sein kann.

Wenn ich aufgeladen zurückkomme, sinkt meine Reizschwelle dramatisch. Die kleinen Alltagskonflikte, die mich sonst auf die Palme bringen, kann ich viel gelassener managen. Das ist der echte Mehrwert.

Ihr persönlicher „Japan-Hack“: Die Identität wechseln

Sie müssen nicht nach Japan fliegen, um diesen Effekt zu erzielen. Aber Sie müssen Ihre Rolle wechseln. Hier ist mein praktischer Tipp:

  1. Definieren Sie Ihre *Nicht-Eltern*-Rolle: Was waren Ihre Leidenschaften vor den Kindern? (z.B. Hobbygärtner, leidenschaftlicher Leser, Sportler).
  2. Planen Sie eine „Mission“: Buchen Sie eine kurze Reise (auch nur über ein Wochenende), deren einziger Zweck die Ausübung dieser Rolle ist. Wenn Sie gerne lesen, mieten Sie eine Hütte ohne WLAN und nehmen Sie nur Bücher mit.
  3. Kommunizieren Sie den Zweck, nicht das Opfer: Sagen Sie nicht „Ich muss mal ausruhen“, sondern „Ich muss XYZ lernen/fertigstellen/meine Technik verbessern.“ Das gibt dem Ganzen einen klaren, positiven Auftrag und nimmt das Gefühl des „Egoismus“.

Elternsein ist ein Marathon, kein Sprint. Und wer rennt, muss ab und zu an die Tankstelle. Meine Tankstelle liegt glücklicherweise in Japan.

Was denken Sie: Brauchen Mütter diese radikale Auszeit, oder ist das Luxus, den sich nur wenige leisten können?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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