Sie lieben Ihre Kinder über alles, doch manchmal fühlen Sie sich wie ein leerer Akku, der nur noch auf Notstrom läuft? Die gesellschaftliche Erwartung hält Mütter oft davon ab, sich offen Freiräume zu wünschen. Denn wer offen zugibt, dass er Abstand braucht, gilt schnell als „egoistisch“.
Ich mache es jedes Jahr aufs Neue: Ich lasse meine Kinder zurück und steige ohne sie in ein Flugzeug – dieses Mal nach Japan. Das klingt vielleicht radikal, aber diese zeitliche und geografische Distanz ist für mich keine reine Urlaubsidee, sondern eine Überlebensstrategie. Wer glaubt, ständige Verfügbarkeit sei ein Zeichen guter Mutterschaft, ignoriert einen fundamentalen Fakt: Man kann nur geben, was man selbst besitzt.
Der Mythos der „immer verfügbaren“ Mutter
Kennen Sie das Gefühl? Selbst wenn die Kleinen im Kindergarten oder in der Schule sind, dominiert der mentale To-Do-Marathon: Kochen, Putzen, Planen, Organisieren. Selbst nachts bleibt ein Teil des Gehirns im Bereitschaftsmodus. Ich bemerkte, dass diese Daueranspannung mich langsam aufzehrte.
Während der normalen Woche ist es ein ständiges Jonglieren. Selbst kleine Auszeiten sind oft nur Luft holen, bevor der nächste Arbeitsblock beginnt. Nur eine komplette Trennung erlaubt es mir, wirklich abzuschalten.
Warum Japan? Die stille Suche nach der eigenen Identität
Es mag überraschen, aber ich suche die Stille nicht in einem Wellness-Resort, sondern in der japanischen Gesellschaft. Viele übersehen, dass es Orte gibt, an denen Ruhe im Alltag integriert ist und nicht als peinliche Leere empfunden wird.

- Funktionalität und Ordnung: Ähnlich wie in meiner Heimat (der Schweiz) schätze ich die Verlässlichkeit, die mir mentale Ruhe verschafft.
- Die Sprachbarriere als Türöffner: Statt mich nur zu entspannen, zwinge ich mich, meine Japanischkenntnisse anzuwenden. Das ist aktives Training meiner Identität außerhalb der Mutterrolle.
- Fokus auf Entdeckung statt Luxus: Ich brauche keine Fünf-Sterne-Hotels. Das Eintauchen in fremde Viertel ist meine Form der Regeneration.
Letztes Jahr habe ich die ideale Kurzlänge ermittelt: Drei Wochen waren zu lang, zwei Wochen sind die perfekte Dosis, um den Stecker wirklich zu ziehen.
Selbstfürsorge ist keine egoistische Tat
In vielen heimischen Familien herrscht die unausgesprochene Regel: Wer liebt, will nie weg. Doch das ist eine Falle. Bevor ich Mutter wurde, war ich eine Weltreisende. Diese Leidenschaft stirbt nicht ab, sie pausiert nur.
Mein Partner und ich sehen es als Teamleistung. Wir leben unseren Kindern vor, dass Kooperation und das Achten auf die eigenen Bedürfnisse genauso wichtig sind wie die Verantwortung für andere. Diese Abwechslung funktioniert nur, weil wir uns gegenseitig den Freiraum zugestehen.
Wenn ich mit neuer Energie zurückkomme, können wir nahtlos in unseren Alltag zurückkehren. Das ist der entscheidende Punkt, den viele im Eifer des Gefechts übersehen.

Der praktische Hack zur mentalen Neujustierung
Wenn eine Fernreise nicht drin ist, nutzen Sie den „Mikro-Japan“-Trick: Wählen Sie ein Wochenende (oder sogar nur einen Samstag), an dem alle anderen Verpflichtungen wegfallen. Schaffen Sie eine künstliche Distanz.
Das bedeutet:
- Digital Detox der Superlative: Handy in den Flugmodus und tatsächlich weglegen.
- Nehmen Sie eine fremde Rolle ein: Kochen Sie ein Gericht, das Sie nie zuvor gemacht haben, oder besuchen Sie einen Stadtteil, in dem Sie nie zuvor waren, als wären Sie das erste Mal im Land.
- Keine Organisation: Delegieren Sie alle Planungen für diesen einen Tag an Ihren Partner oder lassen Sie die Kinder (falls älter) ein Abendprogramm vorschlagen, das Sie zu 100% akzeptieren müssen.
Diese temporäre Verschiebung der Bezugspersonen und Routinen hilft Ihrem Gehirn, den „Mutter-Modus“ für kurze Zeit abzuschalten und die eigenen Batterien aufzuladen.
Ich liebe es, Mutter zu sein. Aber ich liebe es mehr, meine Kinder mit einer Mutter zu beglücken, die sich selbst nicht vergessen hat. Diese Reisen sind keine Flucht, sondern eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft.
Wie lange halten Sie es aus, ohne eine echte, ungestörte Auszeit? Teilen Sie Ihre Strategien unten!









