Wassertests lügen nicht: Diese 4 seltenen Fische schleichen unbemerkt durch die Donau

Stellen Sie sich vor: Fische, die seit Jahren als verschollen galten, schwimmen plötzlich wieder in unserem Fluss – aber niemand bemerkt es. Das ist keine Theorie, das ist die Realität in der Donau, und der Grund, warum Sie die meisten Arten nie zu Gesicht bekommen, ist schockierend einfach.

Fischexperten haben eine revolutionäre, fast schon spionartige Methode angewandt, um jene vier extrem scheuen Bewohner aufzuspüren, die Bayern praktisch als letzte Arche dienen. Wenn Sie denken, ein Fischernetz sei das beste Werkzeug, liegen Sie falsch. Man muss das Wasser selbst „lesen“!

Der DNA-Detektiv: Wie Erbgut unser Gewässer verrät

Dominik Bernolle vom Landesamt für Umwelt (LfU) hat im letzten Sommer eine Expedition von Regensburg bis Vohburg unternommen. Sein Ziel? Vier Fisch-Ikonen: Streber, Schrätzer, Zingel und der majestätische Huchen (auch Donau-Lachs genannt).

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Diese Fische sind keine gewöhnlichen Karpfen. Sie brauchen frei fließendes Wasser und reinen Grund – Lebensräume, die durch Staudämme fast komplett zerstört wurden. Weil die Wiederansiedlung mühsam ist und die Vögel hungrig, muss man genau wissen, wo sie sind.

Überraschung im Labor: Der Zingel kehrt zurück

Der Zingel war in vielen Abschnitten komplett verschwunden. Nach massiven Auswilderungsaktionen (man spricht von 45.000 gezüchteten Exemplaren!) war die Hoffnung gering.

Aber dann kam der Beweis: Mittels DNA-Analyse, die mikroskopisch kleine Hautzellen im Wasser aufspürt, tauchte der Zingel an zwei Stellen plötzlich wieder auf. Das ist ein riesiger Erfolg, weil es zeigt, dass die neuen Jungtiere überlebt haben und sich vermehren.

  • Fischfang vs. DNA-Test: Netze fischen nur das, was Glück hat, entdeckt zu werden.
  • Die neue Sonde: Die DNA-Analyse ist hochempfindlich und findet Arten, die selbst Fressfeinde überleben.
  • Problem: Aktuell verrät die Analyse nur, dass der Fisch da war, nicht wie viele es sind.

Der Kampf des Huchens – Ein Fisch schmeckt das Klima

Der aufwendige Schutz gilt besonders dem Huchen. Dieser große Fisch ist extrem hitzeempfindlich. In unseren heißen bayrischen Sommern wird das Wasser ihm buchstäblich zu warm, der Sauerstoffgehalt sinkt.

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Ein Fundort des Huchens unterstreicht, wie wichtig die kleinsten Details sind. Im Gegensatz zu einfachen Auswilderungen haben Experten hier sogar zu „Eltern“ gegriffen.

Der Trick mit dem Kiesbett: So überleben die Babys

Die Wiederansiedlung eines so gefährdeten Fisches kostet Nerven und Geld. Die Fischereiberater haben zwei Methoden probiert, um den Jungfischen den besten Start zu geben:

  1. **Die geschützte Box:** Eier wurden in Kisten mit Löchern auf Kiesbänken deponiert. Die Larven schlüpften mit einem Dottersack (ihrem Vorratspaket) und waren zu groß für die Löcher, während sie sich langsam an die Chemie gewöhnten.
  2. **Das Natur-Nest:** Eier wurden direkt in künstlich gegrabene Laichnester gelegt und vorsichtig mit Kies bedeckt. Das ahmt die Natur perfekt nach, schützt die jungen Fische vor allem Fressdruck der Enten und Krebse.

Man sieht: Es reicht nicht, Fische einfach ins Wasser zu werfen. Wir müssen ihnen lernen, wie man in der modernen Donau überlebt. Die DNA-Analyse liefert nun die unbestechliche Rückmeldung, ob diese Mühe sich lohnt.

Diese Methode ist nicht nur für die Donau Gold wert, sondern für den gesamten Artenschutz. Aber jetzt die wichtige Frage an Sie: Wenn man die Existenz seltener Arten nur noch über deren vergessene DNA nachweisen kann – wie gut kennen wir unseren heimischen Lebensraum dann wirklich noch?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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