Weil True-Crime sie nährte: Diese eine Reise hat meine Angstzustände zerstört

Sie kennen das Gefühl: Ihr Geist malt Ihnen die schlimmsten Szenarien aus. Bei mir war es die Folge des stundenlangen Hörens von True-Crime-Podcasts. Plötzlich war die Welt, die ich zuvor als sicher empfand, ein Minenfeld. Allein verreisen? Absolut ausgeschlossen. Das änderte sich erst, als ich mit fast 30 meinen Job verlor und beschloss, der Angst ins Auge zu blicken – und zwar in Island.

Wenn Sie sich gerade in einem Hamsterrad aus Sorgen gefangen fühlen, sollten Sie jetzt weiterlesen. Ich bin nicht als erleuchtete Guru zurückgekehrt, aber ich habe etwas viel Wertvolleres gefunden: echtes, handfestes Selbstvertrauen, das durch schiere Konfrontation entstand.

Der heimliche Auslöser: Warum True Crime Sie lähmt

Viele von uns haben einen Bereich im Leben, in dem wir uns unnötig klein machen. Bei mir war es die ungesunde Ernährung durch Crime-Dokus. Jede neue Episode über ein Verbrechen fütterte die Angst, dass mir oder meinem Partner etwas passieren könnte, sobald wir uns trennen mussten.

Die Eskalation der häuslichen Angst

Die Angst verlagerte sich von der Straße direkt in mein Zuhause. Mein Freund musste auf Dienstreise? Ich verließ die Wohnung nicht. Als meine Mutter umzog und die Alarmanlage fehlte, konnte ich nicht einmal bei ihr übernachten. Die Logik wich dem Gefühl: Wer Angst hat, kontrolliert seine Umgebung nicht mehr.

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Doch dann kam der Januar-Schock: Jobverlust und der 30. Geburtstag standen vor der Tür. Ich musste etwas tun, das ich mir nie zugetraut hätte.

Die Gegenstrategie: Warum Island der perfekte Ort war

Es klingt verrückt, aber ich wählte Island. Nicht wegen seiner Ruhe, sondern weil es als eines der sichersten Länder der Welt gilt. Das war mein psychologischer Anker. Ich brauchte einen Ort, an dem die äußere Bedrohung minimal war, damit ich mich nur auf meine innere Bedrohung, die Angst, konzentrieren konnte.

  • Öffentliche Verpflichtung: Ich erzählte jedem, sogar der Frau beim Friseur, von meiner geplanten Solo-Reise. Das machte den Rückzieher unmöglich.
  • Der Testlauf: Mietwagen und ein Campervan für drei Tage auf der Ringstraße.
  • Die Umprogrammierung: Ich musste in Situationen bestehen, die ich zu Hause vermieden hätte.

Ironischerweise war es gerade die Konfrontation mit den Elementen – dem berüchtigten isländischen Wind, der meinen kleinen Van schüttelte – die mir half, ruhig zu bleiben. Mein Gehirn lernte: Wenn der Van nicht umkippt, überlebt auch mein innerer Alptraum das nicht.

Was meine Camping-Nächte bewirkten (und was nicht)

Ich bin nicht wandelnd aus Island zurückgekehrt, wie man es vielleicht aus Hollywood-Filmen kennt. Es war subtiler, aber fundamentaler, ähnlich wie wenn man nach dem Urlaub merkt, dass man die Uhr in Deutschland plötzlich anders stellt.

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Diese kleinen Siege summierten sich:

  • Die erste Solo-Wanderung war nicht nur machbar, sie war entspannend.
  • Tiefschlaf in fremden Wohngebieten (im Campervan!).
  • Ich erkannte: Die Dinge, die ich am meisten fürchtete, waren entweder nicht real oder ich konnte sie meistern.

Der wichtigste Punkt? Die Flucht vor der Angst führt dazu, dass sie wächst. Die direkte Konfrontation – selbst wenn sie unangenehm ist – macht sie klein.

Der Blick nach vorne: Angst bleibt, aber sie regiert nicht mehr

Nach Island buchte ich direkt eine weitere Solo-Reise nach Annecy. Habe ich immer noch Angstzustände, besonders wenn ich mir die Nachrichten in Deutschland anschaue? Ja, die Chemie im Kopf ändert sich nicht über Nacht. Aber jetzt weiß ich, wie ich mit ihr umgehen muss.

Wenn das, was Sie am meisten fürchten, das Tor zu Ihren besten Erfahrungen ist – was würden Sie morgen alleine erleben, wenn Sie nicht länger warten würden?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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