Wissenschaftler sehen es zum ersten Mal: Krake kopiert Schwamm auf 4.000 Metern Tiefe

Stellen Sie sich vor, Sie starren auf den tiefsten, dunkelsten Meeresboden. Was Sie dort erwarten: Einsamkeit und vielleicht ein paar bekannte Tiefseefische. Falsch gedacht. Forscher haben gerade eine Kreatur entdeckt, die sich komplett gegen jede Logik verhält – und das in einer Tiefe, in der Sie in Deutschland locker die Zugspitze besteigen könnten. Diese Tarnung ist so perfekt, dass sie jahrzehntelang unbemerkt blieb. Warum Sie das jetzt wissen müssen? Weil die Meere mehr Geheimnisse bergen, als wir je dachten, und wir drohen, sie auszurotten, bevor wir sie verstehen.

Das Unterwasser-Mysterium: Was klebt da im Schlamm?

Die Entdeckung machte ein Forschungsteam im Rahmen der SMARTEX-Mission. Der Einsatzort: die Clarion-Clipperton-Zone im Pazifik, fast 4.100 Meter unter der Oberfläche. Mithilfe eines ferngesteuerten U-Boots (ROV) sichteten die Wissenschaftler vermeintliche Schwämme – regungslos im Sediment. Als sie dachten, sie hätten nur ein paar harmlose Meeresbewohner dokumentiert, passierte das Unerwartete.

Eine dieser „Schwamm“-Formationen bewegte sich kaum merklich. Was folgte, ließ die Forscher aufhorchen: Es war kein Schwamm. Es war ein Tiefseekalmar, den niemand zuvor beschrieben hatte – und er verhielt sich wie ein Profi-Tarnkünstler.

Die bizarre Kopier-Strategie

Während viele Tintenfische an der Oberfläche schnell ihre Farbe ändern, ging dieser Kalmar einen völlig neuen Weg. Er versenkte sich kopfüber in den feinen Tiefseeschlamm. Nur sein Siphon und zwei auffallend weiße Tentakel ragten heraus. Das sieht man selbst in der Tiefsee nicht alle Tage.

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Alejandra Mejía Saenz, Hauptautorin der Studie, fasste es zusammen: „Ein mit Sediment bedeckter Kalmar in umgekehrter Position – das haben wir noch nie gesehen. Es ist ein völlig neues Verhalten bei Kopffüßern.“

Warum dieser Aufwand in der dunklen, kalten Tiefe, wo Energie sparen oberste Priorität hat?

  • Schutz vor Jägern: Riesige Walspezies oder andere Tiefsee-Räuber sehen ihn nicht als Beute, sondern als toten Anker oder Pflanze.
  • Passive Jagd: Er imitiert bodenlebende Organismen wie Schwämme oder Korallen. Kleinere Krebstiere oder Würmer suchen unvorsichtig Deckung oder Nahrung – und werden zur Mahlzeit.

Warum das für uns in Deutschland wichtig ist

Moment mal, ein kalter Ozean 15.000 Kilometer entfernt – was hat das mit meinem morgendlichen Kaffee zu tun? Eine Menge, wenn man bedenkt, wo diese Entdeckung gemacht wurde. Die Clarion-Clipperton-Zone ist ein Hotspot für den Abbau seltener Erden, Nickel, Kobalt und Mangan.

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Man baggert dort riesige Flächen leer. Wenn wir nicht einmal wissen, welche Lebensformen dort unten existieren und welche Überlebensstrategien sie entwickelt haben, wie können wir dann verantwortungsvoll abbauen?

Wissenschaftler befürchten, dass die Aufwirbelung des Sediments durch Tiefseebergbau diese fragilen Tarnkünstler sofort töten würde. Wir gewinnen vielleicht ein paar Rohstoffe für die nächste Powerbank, verlieren aber Arten, deren Existenz wir gerade erst bemerkt haben.

Ein Leben auf Messers Schneide

Experten wie Jim Barry vom Monterey Bay Aquarium Research Institute betonen, dass dieses Verhalten stark an sesshafte Wirbellose erinnert. Es ist eine höchst effiziente Überlebensform, die Millionen Jahre der Evolution widerspiegelt.

Denken Sie das nächste Mal an Ihren nächsten Urlaub am Meer. Nur wenige wissen, dass unter der Wasseroberfläche Welten existieren, die aktiver und kreativer sind als viele Stadtviertel. Wir haben erst 33 Kopffüßer auf 5.000 Kilometern Routine-Suche gefunden. Wie viele noch unentdeckte Wunder warten darauf, durch Bergbau zerstört zu werden?

Was denken Sie: Sollten wir die Tiefsee sofort unter Schutz stellen, selbst wenn dort unermessliche Rohstoffe lagern? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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