Stellen Sie sich vor, Sie stehen am südlichsten Punkt der Welt – dem geografischen Südpol. Klingt nach einem festen Punkt, oder? Weit gefehlt. Ich habe neulich eine kuriose Entdeckung gemacht, die zeigt, wie dynamisch unser Planet ist: Die Markierung dieses scheinbar ewigen Ortes muss jedes Jahr neu gesetzt werden. Wer hätte gedacht, dass der „Nullpunkt“ der Südhalbkugel buchstäblich wegschmilzt?
Die meisten denken beim Südpol an Eis und Kälte. Doch die wahre Geschichte liegt im Untergrund und im ewigen Wandel des Planeten. Es ist nicht nur eine akademische Spielerei; es geht um die Genauigkeit von Messungen, die wir für selbstverständlich halten. Verpassen Sie nicht, warum diese Verschiebung wichtig ist – es ist buchstäblich **ein Lauf um die Wurst**, den die Wissenschaftler hier jedes Jahr aufs Neue gewinnen müssen.
Der Punkt, der ständig wandert (obwohl er es nicht sollte)
Der geografische Südpol ist technisch gesehen ein fester Punkt – er liegt am Ende der Erdachse. Aber die Markierung, die wir dort sehen, sitzt auf einem riesigen Eisschild.
Das Problem mit dem ewigen Eis
Dieses Eis, das uns an den Kälte-Mythos erinnert, ist in Wirklichkeit ein gigantischer, sehr langsamer Fluss. Im Durchschnitt bewegt sich das antarktische Eis etwa 10 Meter pro Jahr weg vom Zentrum des Kontinents in Richtung Küste.

- Jedes Jahr muss das Team der US-amerikanischen Amundsen-Scott-Station neu messen.
- Die alte Fahne wird demontiert – ein kleines Ritual.
- Die neue Markierung wird mit einer kleinen Zeremonie aufgestellt. Man könnte sagen, sie versetzen praktisch die Welt auf diesem Fleckchen wieder auf Null.
Nicht verwechseln: Magnet vs. Geografie
Viele machen hier den Fehler und glauben, der geografische Pol sei dasselbe wie die magnetischen Pole. Hier wird es für uns im Alltag besonders knifflich. Wer in Deutschland oder Österreich seine Wanderkarte studiert, muss sich mit der magnetischen Nord- und Südpolverschiebung auseinandersetzen. Die Pole, die GPS und Kompass nutzen, ändern sich ständig, weil der flüssige Erdkern pulsiert.
Das ist der entscheidende Unterschied: Der geografische Pol muss korrigiert werden, weil das Eis fließt. Die magnetischen Pole ändern ihre Richtung, weil der Kern flüssig ist – als würde man den Kompass neu kalibrieren, nur dass das Mutter Natur übernimmt.
Historischer Seitenhieb: Der Wettlauf im ewigen Eis
Die berühmte Amundsen-Scott-Station, die diese Arbeit im antarktischen Niemandsland leistet, trägt die Namen zweier Kontrahenten. Roald Amundsen (Norwegen) und Robert Scott (Großbritannien) lieferten sich 1911/1912 einen erbitterten Wettlauf an diesen Punkt.
Wussten Sie, dass Amundsens Team einen knappen Vorsprung hatte? Amundsen kam am 14. Dezember 1911 an, Scott erst am 17. Januar 1912. Scott fand dort Amundsens Zelt – ein Schlag ins Gesicht, der ihn und sein Team auf dem Rückweg das Leben kostete. Ein Schicksal, das uns zeigt, wie erbarmungslos die Natur ist, selbst wenn man den richtigen Punkt erreicht hat.

Was bedeutet das für unseren Planeten?
Während wir uns um das Verschieben der Markierung kümmern, sehen Forscher ernstere Probleme. Das antarktische Eis ist ein riesiger Gefrierschrank. Wenn warmes Meerwasser die Gletscher von unten anfängt, diese langsam wegzuschmelzen, verlieren ganze Gletscher ihre Stabilität.
Wenn diese Eisströme kollabieren – und wir sprechen hier von riesigen Mengen, die sich langsam ins Meer bewegen – steigt der globale Meeresspiegel. Das ist keine hypothetische Gefahr, die weit weg ist. Denken Sie nur an unsere Küstenstädte oder die flachen Gebiete, die wir gerade in Mecklenburg-Vorpommern oder Norddeutschland mühsam gegen das steigende Wasser schützen.
Im Gegensatz dazu: Am Nordpol gibt es kein festes Land. Der Nordpol „schwimmt“ quasi auf ständig neu geformtem Meereis, das durch Strömungen und Winde zerbrochen und neu zusammengesetzt wird. Dort gibt es keine Markierung, die man neu setzen müsste.
Dieser Tanz um den Südpol ist eine großartige Metapher dafür, wie ständig alles in Bewegung ist – auch die vermeintlich wichtigsten Ankerpunkte unserer Welt. Haben Sie selbst schon einmal eine GPS-Messung in der Natur gemacht und sich gefragt, wie genau diese Daten wirklich sind?









