Warum wir mit 57 und 60 Jahren alle Möbel rausgeworfen haben (und es nie bereuen)

Jedes Mal, wenn wir Besuch erwarten, fragen sich unsere Freunde, wo wir denn bitte sitzen sollen. Die Wahrheit: Oft sitzen wir gar nicht. Wir leben seit einiger Zeit fast komplett ohne Möbel – und das, obwohl man in unserem Alter (57 und 60!) eigentlich längst in den passenden, tiefen Fernsehsesseln versunken sein sollte. Wenn Sie dachten, Minimalismus sei nur eine kurzlebige Modeerscheinung, dann haben Sie unseren ultimativen Test noch nicht gesehen. Hier erfahren Sie, warum dieser radikale Schritt unser Leben in Deutschland (oder Österreich/Schweiz – je nach Bezugsland) besser gemacht hat.

Der Schockmoment: Der Podcast, der alles änderte

Normalerweise sind wir experimentierfreudig, aber auf diesen Schritt waren wir nicht vorbereitet. Wir waren 2020 noch auf der Couch festgewachsen, träumten von der perfekten TV-Ecke, als ich zufällig einen Podcast über „Floor Living“ hörte. Die Idee, ernsthaft auf Stühle und Tische zu verzichten? Klingt erst mal nach einem schlechten Witz, oder?

Das Zeichen, auf das wir gewartet haben

Eigentlich wollten wir gerade aufs Land ziehen, ein klassisches, voll eingerichtetes Haus kaufen. Doch das Leben hatte andere Pläne. Als eine fast leere Wohnung in Kapstadt (oder: *in Ihrer Stadt*, falls Sie in Deutschland wohnen und den lokalen Bezug herstellen wollen) auftauchte, fühlte es sich an, als würde das Schicksal sagen: „Jetzt oder nie, probier den Kram aus.“

Meine Frau war sofort Feuer und Flamme, vor allem wegen des Gartens. Ich musste kaum überzeugen. Wir waren bereit, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen.

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Was wir sofort weggeworfen haben (und was nicht sein durfte)

Man startet nicht perfekt. Die erste Anschaffung war ein billiges Futon zum Schlafen. Falsch. Nach einer Woche hatten wir beide Rückenschmerzen, die man sonst nur von durchgehungerten Studenten kennt. Wir haben es kurz darauf gegen unsere alten, aber verlässlichen Campingmatratzen getauscht.

Mittlerweile liegen wir meistens auf Yogamatten – und lieben es. Wir verbringen die meiste Zeit auf dem Boden, und es fühlt sich überraschend richtig an.

Die unerwarteten körperlichen Gewinne

Das ist der Teil, den niemand erwartet. Nach nur vier Wochen fühlten wir uns fitter. Kein bequemer Bürostuhl zwingt uns mehr in die Knie, in denen wir stundenlang versinken.

  • Wir müssen ständig unsere Haltung korrigieren. Das stärkt die Tiefenmuskulatur.
  • Das Aufstehen vom Boden trainiert das Gleichgewicht – wir stehen ohne die Hilfe der Hände auf!
  • Wir sitzen besser und länger, ohne auszustrahlen, dass wir gleich umfallen.

Glauben Sie mir, das ist besser als jede Trainingseinheit, die man sich sonst im Fitnessstudio erkauft.

Der Trick, der den Alltag revolutioniert

Der größte praktische Vorteil, der gerade im teuren deutschen Wohnungsmarkt Gold wert ist? Umzüge. Oder besser gesagt: Keine Umzüge.

Wir hatten in den letzten Jahren oft die Wohnung gewechselt. Ohne Möbel ist das Ganze ein Kinderspiel. Wir packen unsere Campingmatratzen und Laptoptisch aus Bambus ein – fertig. Kein Streit um den sperrigen Pax-Schrank, kein Stress mit dem Umzugsunternehmen. Das Leben wird radikal effizient.

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Und was die Sauberkeit angeht: Wenn Sie nichts im Weg stehen haben, ist die Wohnung in zehn Minuten durchgewischt. Vergessen Sie das Chaos, das Möbel verursachen.

Der Haken: Wie man Gäste bewirtet (oder auch nicht)

Die erste Frage, die jeder stellt, wenn er von unserem Lifestyle hört: „Wollt ihr uns nicht einladen?“ Unsere Antwort: Wir unterhalten uns nicht mehr klassisch. Das ist der Preis, den wir zahlen – und er ist es wert.

Um ehrlich zu sein: Wir wollen auch nicht, dass sich Gäste unwohl fühlen, wenn sie auf einer Yogamatte Platz nehmen müssen. Unser Mittelweg? Wir treffen uns draußen. Kaffeetrinken in der Innenstadt, gemeinsames Abendessen. Der soziale Kontakt verlagert sich von der „Wohnzimmersofa-Session“ nach draußen.

Für uns funktioniert das perfekt. Apropos Anpassung: Unser nächstes großes Experiment ist der Van-Ausbau. Technisch gesehen könnten wir auch dort ohne Bett und Couch auskommen, aber selbst für uns gibt es eine Grenze des Unbequemen.

Wie würden Sie es finden, wenn Sie ab morgen nur noch auf dem Boden sitzen müssten? Würden Ihr Rücken protestieren oder wären Sie überrascht, wie gut es Ihnen guttut?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

Artikel: 1910

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